Das Goethe-Institut wird 75 Jahre alt: Neue Normalität im Krisenmodus

Als das Goethe-Institut 1951 gegründet wurde, lag Deutschland in Trümmern. Die westlichen Alliierten und die Sowjetunion hatten die Nazi-Herrschaft beseitigt, Millionen Menschen hatten in dem von Nazi-Deutschland begonnenen Weltkrieg ihr Leben verloren, es herrschte unvorstellbares Leid. Die USA waren die Guten, die Botschafter von Demokratie und Freiheit. Ein klarer Auftrag: Das Goethe-Institut sollte helfen, den Ruf in der Welt wiederherzustellen, ein anderes Deutschland zu zeigen.
Vertreten in 100 Ländern
Es hat funktioniert. Ein Dreivierteljahrhundert später ist das Goethe-Institut in gut hundert Ländern weltweit vertreten. Und es kommen neue hinzu. Im vergangenen Jahr wurde in Armenien und kürzlich in der Republik Moldau eine Repräsentanz eröffnet. Die veränderte Lage der Welt, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die politischen Veränderungen in den USA – all das erfordert bei der auswärtigen Kulturpolitik Veränderungen. Ein neuer Standort in St. Louis ist in Planung, in Atlanta gibt es bereits eine Goethe-Vertretung. Auch nach Lublin soll es gehen, an die polnisch-ukrainische Grenze.
Geopolitik ist ein großes Wort. Kunst und Kultur geraten vielerorts unter Druck, auch in Europa. Die Goethe-Institute bieten sich an als Freiräume, als Orte des Austauschs. Auf dieses Netzwerk sei Verlass, sagte Gesche Joost, die Präsidentin des Goethe-Instituts, bei einem Pressegespräch zum Jubiläumsjahr in Berlin. Gefeiert wird der 75. Geburtstag im Sommer im Haus der Berliner Festspiele. Generalsekretär Johannes Eberth betonte: „Wir fördern Offenheit und Dialog, eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche Resilienz und Frieden.“ Das Goethe-Institut sei Teil der sicherheitspolitischen Gesamtarchitektur der Bundesrepublik. Dabei wird zunehmend im europäischen Rahmen gearbeitet, vor allem mit den französischen Instituten im Ausland.
Hilfe für Fachkräfte
Für Eberth, der nach fünfzehn Jahren demnächst sein Amt aufgibt und das Institut in Athen übernimmt, ist aber auch wichtig, dass die Kunst mit eigener Kraft agiert, nicht ständig unter Druck steht und im Dienst der Politik. Eberth übergibt eine Organisation, die sich verschlankt und reformiert hat. Der Gesamtetat liegt 2026 bei 447 Millionen Euro, die institutionelle Förderung durch das Auswärtige Amt beläuft sich auf 232 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren sind die Bundesmittel Jahr für Jahr gesunken. Und die Aufgaben haben zugenommen.