Academy Awards 2026: Netflix kauft sich für 83 Milliarden bei den Oscars ein

Für das deutsche Kino endete am Donnerstagmorgen amerikanischer Zeit eine traumhafte Reise. Mascha Schilinskis Jahrhundertfilm „In die Sonne schauen“ über vier Generationen von Frauen, deren Biografien ein Bauernhof verbindet, hat es nicht unter die fünf Oscar-Nominierten für den besten internationalen Film geschafft. Dass die Berliner Regisseurin es mit einem über zweieinhalbstündigen Film, der sich typischen Erzählkonventionen entzieht, überhaupt auf die Shortlist geschafft hat, ist in einem Jahr, in dem das internationale Kino deutlich interessanter war als die meisten amerikanischen Produktionen, dennoch eine Auszeichnung.

Die Konkurrenz war in diesem Jahr hart – und die Auswahl wird mit „The Secret Agent“, „Ein einfacher Unfall“ und „Die Stimme von Hind Rajab“ bestimmt von politischen Filmen. Hinzu kommt als Überraschungskandidat noch die spanische Produktion „Sirât“, mit dem sich „In die Sonne schauen“ in Cannes den Spezialpreis der Jury geteilt hatte, und die norwegische Tragikkomödie „Sentimental Value“, die ganz offensichtlich die Herzen der knapp 10.000 Oscar-Mitglieder eroberte. In neun Kategorien ist Joachim Triers Film, der in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, nominiert, darunter allein viermal in den Schauspiel-Kategorien sowie für Regie, Originaldrehbuch und bester Film.

Damit hat Cannes auch in diesem Jahr wieder Venedig den Rang abgelaufen als Schaufenster fürs Oscar-Rennen. Als schwacher Berlinale-Nachhall sind zumindest die Nominierungen für Ethan Hawke, Hauptdarsteller in Richard Linklaters Musiker-Biopic „Blue Moon“ (für den in Berlin noch Andrew Scott in der besten Nebenrolle ausgezeichnet wurde), und die umwerfende Performance von Rose Byrne in „If I Had Legs I’d Kick You“ zu verzeichnen.

Die schönste Geschichte scheint sich Hollywood aber mit den 16 Nominierungen für Ryan Cooglers Vampir-Horrorfilm „Blood & Sinners“ schreiben zu wollen. Das sind zwei mehr als die bisherigen Rekordhalter „All About Eve“, Titanic“ und „La La Land”. Damit hat Coogler, der als erst zweiter afroamerikanischer Regisseur in den drei Kategorien Produktion, Regie und Drehbuch nominiert ist, sogar den nach den Golden Globes noch haushohen Favoriten „One Battle After Another“ (13 Nominierungen) links liegen gelassen. Auch Hauptdarsteller Michael B Jordan ist für seine Doppelrolle nominiert, unter anderem gegen Timothée Chalamet („Marty Supreme“, neun Nominierungen) und Leonardo DiCaprio.

Bild aus dem Film "One Battle after another" von Paul Thomas Anderson
Foto: Warner Bros.
Auch Leonardo DiCaprio hofft auf einen Oscar. „One Battle After Another“ ist dreizehnmal nominiert.

© Warner Bros.

Es gibt zwar genug Beispiele aus der Filmgeschichte dafür, dass auch zweistellig Nominierte am Ende leer ausgehen können, zum Beispiel „Die Farbe Lila“ (elf) oder zuletzt „The Killing of Flower Moon“ (zehn). Aber in diesem Jahr ist ziemlich sicher, dass das Oscar-Rennen „Blood & Sinners“ und „One Battle After Another“ weitgehend unter sich ausmachen. Dass die beiden Favoriten ausgerechnet von Warner Bros. produziert wurden, ist da eine pikante Pointe. Um das Traditionsstudio ist in den vergangenen Monaten ein unerbittlicher Bieterstreit zwischen Netflix und Paramount entbrannt, bei dem der Streamindienst mit einem Höchstgebot von aktuell 83 Milliarden Dollar anscheinend die Nase vorn hat.

Erst vor wenigen Tagen betonte Netflix-CEO Ted Sarandos, dass er den Warner-Katalog nicht nur kaufen wolle, um sein Streamingangebot zu vergrößern. „Wir sind ehrgeizig – wir wollen gewinnen. Ich möchte am Eröffnungswochenende gewinnen. Ich möchte an den Kinokassen gewinnen“, hat er in einem Interview seine Ambitionen bekräftigt. Sarandos wird bei der Oscar-Verleihung am 15. März sicher noch ein wenig genauer hinschauen, ob ihm seine jüngste Akquise ein paar von den dringlichst ersehnten Goldstatuen beschert. Der Netflix-Produktion „Frankenstein“ von Guillermo del Toro wird das, trotz neun Nominierungen, höchstwahrscheinlich nicht gelingen. In puncto Dominanz von Box-Office, Streamingmarkt und jetzt auch Oscars könnte sich der Warner-Deal für die Netflix-Bilanz als wegweisend herausstellen.