Neues Album von The Strokes: Die Nullerjahre sind vorbei, die neue Wirklichkeit gibt es jetzt auch auf Platte

Anstelle einer handelsüblichen PR-Kampagne wird die Veröffentlichung des siebten Studioalbums der Strokes von zahlreichen Irritationen begleitet, bei denen man noch nicht so genau weiß, wo sie hinführen: Zunächst kündigte die bis zu diesem Zeitpunkt seit der Gründung 1998 konstant in derselben Besetzung spielende Band lapidar und ohne weitere Gründe an, dass der Gitarrist Nick Valensi der aktuell laufenden Tour der New Yorker Indie-Helden fernbleiben würde. Er wird nun durch Steve Schiltz, einen langjährigen Freund der Band, ersetzt.

Während noch gerätselt wurde – und weiterhin wird –, ob sich hier ein Zwist über Gaza zwischen dem Juden Valensi und dem Palästina-Aktivisten Julian Casablancas tief in die Binnenarchitektur der wichtigsten Indie-Rock-Band der vergangenen 30 Jahre eingeschrieben habe, veröffentlichten die Strokes zwei Singles, deren übertriebener Autotune-Einsatz ganz überwiegend wenig begeistert aufgenommen wurde, obwohl wenigstens „Falling Out Of Love“ ein sehr hübsches Lied ist. Unterdessen spielen die Strokes mit Schiltz fortwährend Konzerte, kommenden Herbst auch in Deutschland, und geben keinerlei Interviews oder sonstige Informationen zu ihrem neuen Album heraus, das auch der Plattenfirma kurz vor der Veröffentlichung vorlag.

„Reality Awaits“ ist ein einerseits von Spiel- und durchaus Experimentierfreude, vor allem aber von den fein ausziselierten, hinreichend verspulten, immer wieder überraschende Wendungen nehmenden Bandwurmmelodien des Sängers geprägtes Album. Es ist nicht oder nur in Teilen: ein klassisches Strokes-Album. Sondern eines, das Zeit erfordert, auf den ersten Blick unspektakulär erscheint, bisweilen sogar hingeschludert – und schließlich ins Unermessliche wächst.