Nachruf auf den Schauspieler Sam Neill: Er glänzte selbst neben Spielbergs Dinos

Sam Neill wäre wohl der Letzte gewesen, der für sich den Begriff „Star“ benutzt hätte. 60 Jahre lang hat sich der 1947 in Nordirland geborene und in Neuseeland aufgewachsene Schauspieler stets in den Dienst des Materials gestellt. Zunächst auf der Bühne, die er in den 1960er Jahren als junger Literaturstudent lieben lernte; mit dem Players’ Drama Quartet stand er in zahlreichen Shakespeare-Stücken auf der Bühne.

Nachdem er zehn Jahre später (mit einem Umweg über das Fernsehen) ins Kino gewechselt war, drehte er ohne persönliche Eitelkeiten für Regisseure wie Andrzej Żuławski, John McTiernan, Jane Campion und Steven Spielberg.

Was er in seinen 2023 erschienenen Memoiren „Did I Ever Tell You This?“ über die Dreharbeiten mit Jane Campion schreibt, die 1994 mit „Das Piano“ den Drehbuch-Oscar gewann, steht im Grunde auch für seine gesamte Karriere.

„Niemand nimmt dich besonders wahr, du wirst nicht für Preise nominiert. Aber du hast deinen Beitrag geleistet. Ich war bei einem wichtigen feministischen Film dabei. Ich war an vorderster Front in einem wichtigen neuseeländischen Film dabei. Keine dieser Bezeichnungen wird dem Film gerecht. Es ist ein Kunstwerk. Und schau mal, diese winzige kleine Figur im Stoff – siehst du sie dort unten rechts? – das bin ich. Es ist ein Film, der immer einen Platz in der Filmgeschichte haben wird. Und ich habe darin mitgewirkt.“

In „Did I Ever Tell You This?“ hatte Neill auch erstmals öffentlich über seine Erkrankung gesprochen. Bei ihm sei im Jahr zuvor ein Non-Hodgkin-Lymphom festgestellt worden, er habe sich einer Chemotherapie unterzogen. Erst im April dieses Jahres meldete er sich in der Öffentlichkeit mit der Nachricht zurück, dass er nach einer Gentherapie den Krebs besiegt habe.

„Es wird Zeit, dass ich wieder einen Film drehe.“ Am Montagmorgen meldete die Familie des „Jurassic Park“-Hauptdarstellers überraschend auf dessen Instagram-Profil, dass Sam Neill im Alter von 78 Jahren gestorben sei. Seinen letzten Auftritt hat er in der Netflix-Miniserie „Untamed“.

RECORD DATE NOT STATED Jurassic Park Ariana Richards, Sam Neill, Joseph Mazzello EDITORIAL USE ONLY PUBLICATIONxINxGERxAUTxSUIxONLY Copyright: x
„Jurassic Park“ machte Sam Neill 1993 zu einem gefragten Darsteller in Hollywood.

© IMAGO/mptv/IMAGO/photo: MPTV.net

Sam Neill ist niemand gewesen, der sich in den Vordergrund drängte, nicht mal in einer Hauptrolle. Bestes Beispiel ist sein Auftritt in Spielbergs „Jurassic Park“-Trilogie, in der er im ersten und dritten Teil den Paläontologen Alan Grant spielt.

Grant ist ein Nerd im Indiana-Jones-Outfit, der im titelgebenden Dinopark eine Gruppe Kinder vor marodierenden Sauriern retten muss. Selbstredend sind die Attraktion des Films nicht die menschlichen Stars, sondern die für damalige Verhältnisse spektakulären computergenerierten Dinos, ein Wunder der Biologie – und der Technik.

Der Mensch verschwindet neben grasenden Brontosauriern, er wird auf das kleinste Glied in der Nahrungskette des mächtigen T-Rex reduziert. Doch neben diesen Spezialeffekten ernsthaft in einem Film zu bestehen, der mehr als alles andere auf das Staunen abzielt, ist eine beachtliche Leistung.

„Jurassic Park“ machte Sam Neill, die „winzige kleine Figur unten rechts im Bild“, für einen kurzen Moment zum Star. 1993 war das Jahr, in dem er mit dem Dinowunder und „Das Piano“ in Hollywood zum, wie es branchenüblich heißt, household name wurde. Mit Robert Redford drehte er 1998 etwa „Der Pferdeflüsterer“.

Von „Down Under“ bis nach Hollywood

Sam Neill war Ende der 1980er Jahre als einer der profiliertesten Darsteller von „Down Under“ nach Amerika gekommen. Er spielte 1977 die Hauptrolle in dem Thriller „Schlafende Hunde“, der ersten Neuseeland-Produktion, die auf 35mm gedreht worden war. In Australien hatte er 1988 in dem auf wahren Begebenheiten basierenden Outback-Drama „Ein Schrei in der Dunkelheit“ die Rolle von Meryl Streeps Ehemann übernommen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Die Kinostarts der Woche Knackt Vaiana erneut die Milliarden-Grenze? Frida Hornemann, 19, Schauspielerin aus Leipzig „Viele junge Ostdeutsche fühlen die Gefühle ihrer Eltern“

Lesen Sie jetzt auch:

Im vergangenen Vierteljahrhundert ist Sam Neill viel beschäftigt geblieben, hatte sich vor allem aber als solider, von Kolleginnen und Kollegen geschätzter Charakterdarsteller (unter anderem in der Serie „Peaky Blinders“ in der Rolle des sadistischen Chief Inspectors Campbell) hervorgetan.

Das Schauspiel ist nie seine wichtigste Beschäftigung gewesen. Nebenbei hatte sich Neill auch als Umweltaktivist und Besitzer eines ökologisch geführten Weinguts einen Namen gemacht. In dem Journal „Thought Economics“ beschrieb er sein Lebensmotto während der Pandemie folgendermaßen: „Wir sollten uns zuerst als Menschen identifizieren, nicht über unsere Jobs. Ich bin Sam, und manchmal bin ich Schauspieler.“ Sam Neill bleibt als Mensch und als Schauspieler in Erinnerung.