Nach Eklat und Absage von Comicfestival: Neustart in Angoulême mit Frauen-Duo an der Spitze
Das Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême gilt als wichtigste Comic-Veranstaltung Europas. Nachdem es im vergangenen Winter in Folge eines Eklats erstmals in seiner gut 50-jährigen Geschichte abgesagt wurde, zeichnet sich jetzt ein Neuanfang ab.
Die als Festivalveranstalter profilierte Unternehmensgruppe Morgane wurde damit beauftragt, das Festival in Angoulême ab 2027 auszurichten. Das teilte die von den Behörden mit der Neuorganisation beauftragte Einrichtung ADBDA (Association pour le développement de la bande dessinée à Angoulême) französischen Medienberichten zufolge jetzt mit.
Die Morgane-Gruppe organisiert bislang unter anderem die renommierten Musikfestivals Francofolies de La Rochelle und Printemps de Bourges.

© Lars von Törne
Zuständig für den Neustart in Angoulême sollen künftig zwei Frauen sein: Marie Parisot, eine ehemalige Führungskraft bei den Comic-Verlagen Dargaud und Les Humanoïdes Associés, sowie Céline Bagot, die Gründerin des Pop Women Festivals in Reims.
Alter Termin, neuer Name
Deren Konzept wurde von der ADBDA aus vier Bewerbungen ausgewählt, wie unter anderem die Tageszeitung „Le Monde“ meldet: Es „entspricht den Erwartungen der gesamten Branche hinsichtlich künstlerischer Ansprüche und ästhetischer Vielfalt“ und „bestätigt die zentrale Rolle der Autorinnen und Autoren“, erklärt der Verband demzufolge in seiner Pressemitteilung.
Die neuen Co-Direktorinnen Céline Bagot und Marie Parisot kündigten kurz darauf in einer Erklärung an, dass sie als Termin für das erste Angoulême-Festival unter ihrer Leitung den Januar 2027 anvisieren. Der Januar war auch in den vergangenen Jahren der Festivalmonat.
Eine Presseerklärung der ADBDA zufolge hat die Morgane-Gruppe einen Fünfjahresvertrag für die Leitung des Festivals in Angoulême bekommen. Das Event soll demzufolge auch einen neuen Namen und ein neues Branding erhalten, da beide eng mit der bisherigen Leitung verbunden sind.
Die Auswahl eines weiblichen Führungsduos ist auch in symbolischer Hinsicht bedeutsam: In den vergangenen Jahren war der von Männern dominierten Leitung des Festivals in Angoulême wiederholt fehlende Diversität und struktureller Sexismus vorgeworfen worden.
Ende 2025 war die Situation eskaliert
Ende vergangenen Jahres hatte die massive Kritik vor allem an der Agentur 9ᵉArt+, die das Festival seit 2007 organisierte, zur Eskalation geführt. Als Folge der Vorwürfe des Missmanagements und des falschen Umgangs mit einem Fall von sexueller Gewalt trat deren Chef Franck Bondoux Ende 2025 zurück.
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Dies sei „ohne jegliche Transparenz“ geschehen und stehe „in eklatantem Widerspruch zu der Kritik“, die noch vor wenigen Monaten an der bisherigen Leitung geäußert worden war. Daher sähen sich die bisherigen Festivalverantwortlichen „gezwungen, den von der ADBDA bestimmten Gewinner, die Morgane Group, wegen Parasitismus und unlauteren Wettbewerbs zu verklagen“.