Musik für die Augen: Die Top-Hits der Comiczeichner

Ein dunkler Wald, eine Schlangenfrau, ein Apfel – das sind die Zutaten einer Verführungsgeschichte, die Magdalena Kaszuba in neun Bildern erzählt. Inspiriert wurde die Hamburger Illustratorin vom Song „Toxic“ von Britney Spears, den sie sehr frei interpretiert. Kaszuba verwandelt den Dance-Pop-Hit, der von der Abhängigkeit einer Frau von einem Mann handelt, mit fließenden Linien in eine Bildgeschichte, die sich als queeres Coming- Out-Märchen lesen lässt.

Diese Adaption ist einer von 100 Kurzcomics, die das Berliner Zeichner-Trio Moga Mobo für seinen neuen Sammelband zusammengetragen hat: „Moga Mobo Musik – Greatest Hits“. 100 Zeichner:innen aus Deutschland und aller Welt haben die Netzwerker dazu bewegt, ihre Lieblingssongs in jeweils neun Bildern ohne Worte auf einer Seite zu interpretieren, die die Größe einer Single-Schallplatte hat. Das Ergebnis ist eine anregende Reise durch die Musikgeschichte und eine unterhaltsame Leistungsschau der Comicszene.

Patti-Smith-Fan Reinhard Kleist hat für den Sammelband den Song „Horses“ der Musikerin interpretiert.
Patti-Smith-Fan Reinhard Kleist hat für den Sammelband den Song „Horses“ der Musikerin interpretiert.
© Reinhard Kleist / Moga Mobo

Das künstlerische Niveau der Interpretationen ist fast durchweg hoch, die stilistische Bandbreite der Adaptionen beeindruckend. So setzt der für seine Superheldencomics international geschätzte Kasseler Zeichner Nic Klein („Thor“) Led Zeppelins „Immigrant Song“ als blutige Wikinger- Story um. Der mexikanische Zeichner Luis Alberto Villegas Muñoz visualisiert Bon Jovis Hit „Livin’ on a Prayer“ in Holzschnitt-Optik als düstere Anklage gegen den Raubtierkapitalismus. Und der Wiener Zeichner Nicolas Mahler interpretiert David Bowies „Heroes“ mit absurdem Humor als minimalistisches Liebesdrama eines royalen Paares.

Das Cover des Sammelbandes hat Moga-Mobo-Mitglied Thomas Gronle gezeichnet.
Das Cover des Sammelbandes hat Moga-Mobo-Mitglied Thomas Gronle gezeichnet.
© Moga Mobo

Dass die Interpretation eines Liedes immer auch viel mit dem Hörer zu tun hat, zeigt sich besonders anschaulich bei Deep Purples „Smoke on the Water“ und Europes „The Final Countdown“. Beide Songs wurden für den Band jeweils zwei Mal in Zeichnunge umgesetzt – und die Bilder erzählen in beiden Fällen komplett andere Geschichten.

Vor der Lektüre sollte man sich die Spotify-Playlist laden, die Moga Mobo extra für das Buch erstellt hat. So lässt sich bei jedem Song nachhören, welche Aspekte die Zeichner:innen aufgegriffen haben – und manche Songs erscheinen durch die Visualisierung in ganz neuem Licht.

Das Buch gibt es dank der Finanzierung durch Anzeigenkunden gratis, wie das bei den inzwischen mehr als 100 Veröffentlichungen von Moga Mobo seit ihrer Gründung 1994 gute Tradition ist. An diesem Freitag, dem 16..9., wird im Berliner Comicladen „Modern Graphics“ (Kastanienallee, 10435 Berlin) ab 19 Uhr eine Release-Party gefeiert, zu der es auch eine kleine Ausstellung gibt. Online gibt es „Moga Mobo Musik – Greatest Hits“ für einen Unkostenbeitrag von 6 Euro hier: www.mogamobo.com.

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