Marina Abramović, Oscar Wilde & Bruce Gilden: Diese Ausstellungen in Berlin enden im August
Samstag: Sonne und 35 Grad. Sonntag und Montag: Regen. Das passt doch! Genießen Sie erst den Sommer und schauen Sie sich dann auf jeden Fall Monira Al Qadiris Ausstellung zur „Petromoderne“ an.
Auch, wer die beeindruckende Ausstellung in der Berlinischen Galerie gleich nach der Eröffnung gesehen hatte, wird sie jetzt, mit dem Konflikt um die Straße von Hormus im Kopf, noch einmal mit ganz anderen Augen sehen.
Prima für alle, die nicht aufs Wochenende angewiesen sind: Monira Al Qadiris Ausstellung und „Seeing Words, Reading Images“ im PalaisPopulaire haben auch am Montag noch einmal geöffnet.
1 „Sachlichkeit“

© Emese Kazár, Foto: Galerie Albrecht
„Sachlichkeit“ heißt die Ausstellung der Berliner Galerie Albrecht mit Werken von fünf Künstlerinnen und Künstlern, deren Methoden ziemlich unterschiedlich sind. Während Michael Langer seine Objekte und Personen geradezu absurd verformt, begegnet Kate Diehn-Bitt ihrem Gegenüber mit großer Empathie.
Sie selbst gilt als doppelt verfemte Künstlerin: Die gebürtige Berlinerin, Jahrgang 1900, erhielt während der NS-Zeit Ausstellungsverbot, in der DDR hielt man ihre Motive für „nicht zukunftsweisend und optimistisch“. Dien-Bitt zog sich zurück, erst jetzt wird die 1978 in Rostock verstorbene Künstlerin wiederentdeckt.
© Roman Maerz
Anderthalb Jahre haben die Ölfelder gebrannt während des Golfkriegs. „Es regnete schwarzen Regen. Das hat ausgesehen wie in der Hölle. Aber als Kind hat mich das fasziniert“, erzählt Monira Al Qadiri, die 1990 sieben Jahre alt war.
Das Öl-Inferno, ein ökologisches und ökonomisches Desaster und zugleich flammendes Symbol für die geopolitischen Spannungen, bildet das Initiationserlebnis der 1983 im Senegal geborenen, in Kuwait aufgewachsenen und in Japan ausgebildeten Künstlerin.
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© Herta Müller/ Written Art Collection
Die Written Art Collection zählt zu den bedeutendsten Privatsammlungen schriftbasierter Kunst, von gestisch-abstrakter Malerei nach 1945 über zeitgenössische Kalligraphie bis hin zu Medienkunst.
Ausgewählte Werke treten in dieser Ausstellung in einen Dialog mit der Sammlung der Deutschen Bank. Wortcollagen der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller (Abb.) sind ebenso zu sehen wie William Kentridges Arbeit „Anti-Mercator“, die Vermessungstechniken als Instrument kolonialer Macht zeigt, oder Jenny Holzers „Redaction Paintings“, die auf geschwärzten Dokumenten zu US-Kriegsverbrechen im Irakkrieg basieren.
Es ist die vorletzte Ausstellung des Ausstellungsortes Papalais Populaire, der Ende des Jahres schließt. Ab 10. September wird hier mit Lucia Tallová ein letztes Mal ein „Artist of the Year“ gefeiert. Vom 19. bis 22. November wird es zum Abschied noch ein großes Festival mit allen Berliner Kooperationspartnern geben.
4 bis 23.8.: Bruce Gilden: „Why These?“

© Bruce Gilden / Magnum Photos
Gilden wuchs in Brooklyn, New York, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Als Kind verbrachte er Stunden damit, die „harten Kerle“ auf den Straßen zu beobachten. Das prägte seine lebenslange Faszination für die „Charaktere“, die er später fotografieren würde. 1968 kaufte er seine erste Kamera und brachte sich selbst bei, mit ihr zu fotografieren.
Seine Fotos zeigten schon damals das raue Gesicht der Straße, seit 1998 arbeitet er für die legendäre Fotoagentur Magnum. Für das Fotografiska Museum hat Gilden zusätzlich 19 Aufnahmen aus Coney Island, Haiti, New York und Tokyo ausgewählt, die die wichtigsten Projekte seiner ersten Schaffensphase repräsentieren.
Außerdem laufen derzeit Ausstellungen von Anton Corbijn, Lee Shulman und Carola Lampe.
5 Marina Abramović: Balkan Erotic Epic. The Exhibition

© Marina Abramović, Courtesy der Marina Abramović Archives / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
400 Meter war die Schlange zur Eröffnung der Ausstellung von Marina Abramović lang. Ob sich das in den letzten Tagen wiederholen wird?
Mit „Balkan Erotic Epic“ zapft die Künstlerin die Kräfte ihrer Vergangenheit an, diesmal in Form erotischer Rituale, die kollektive Energie freisetzen. In einem Video massieren Frauen in traditionellen Gewändern ihre nackten Brüste, um dem beerdigten Geliebten nahe zu sein. In einem anderen zeigen sie im Regen tanzend ihre entblößte Vulva dem Himmel, damit er sich wieder schließen möge und die Äcker nicht weiter überflutet.
Die Szenen wirken drastisch überzogen, geradezu komisch-plakativ, auch wie sich in „Slawische Seele“ Männer mit Daumen in der Weste rechts und links einer barmenden, übergroßen Sängerin aufreihen, aus deren Gamaschenhosen erigierte Penisse hervorstehen. Und doch muss ein Stück Wahrheit dran sein, man kann sich der Wirkung dieser Bilder nicht entziehen. (NK)
Die ausführliche Ausstellungsbesprechung finden Sie hier.
Anlässlich ihres 75-jährigen Jubiläums präsentieren die Berliner Festspiele nach der Ausstellung im Gropius Bau im Oktober 2026 die (derzeit ausverkaufte) neue mehrstündige Bühnenproduktion „Balkan Erotic Epic. The Stage Version“ im Haus der Berliner Festspiele.