Lovecraft-Adaption „The Colour out of Space“: Vom Bilderbuch zum Bühnenereignis

Ein mysteriöser außerirdischer Organismus kommt als undefinierbare „Farbe“ auf die Erde, führt zu grotesken Mutationen bei Pflanzen und Tieren und treibt die Menschen in den Wahnsinn. 1927 veröffentlichte H. P. Lovecraft „The Colour out of Space“ („Die Farbe aus dem All“).

Knapp 100 Jahre später hat der Berliner Comiczeichner Andreas Hartung die Horrorerzählung zu einer crossmedialen Live-Performance verarbeitet, die am 23. April um 19.30 Uhr ihre Premiere im Kino Babylon in Berlin hat.

„Ich wollte diese Geschichte schon immer adaptieren, weil sie mich atmosphärisch und dramaturgisch fasziniert“, sagt Hartung. „Sehr ist wirklich sehr unheimlich – und gleichzeitig zutiefst menschlich: dieses langsame Verlorengehen des Lebens …“ Rund zehn Jahre lang hat der 1976 in Berlin geborene Künstler zusammen mit dem Underground-Musikensemble „The Dunwich Orchestra“ an dem fünfteiligen Comic-Stummfilmprojekt gearbeitet.

Andreas Hartung und das Musikensemble The Dunwich Orchestra haben ihre Lovecraft-Adaption „The Colour out of Space“ in den vergangenen Jahren in Teilen aufgeführt, jetzt gibt es erstmals das ganze Werk zu sehen.

© Andreas Hartung / Promo

Zwischendurch haben Hartung und die Musiker einzelne Teile davon live aufgeführt, unter anderem beim Internationalen Comic-Salon Erlangen. Jetzt gibt es zum ersten Mal das Gesamtwerk zu sehen. Und möglicherweise auch zum vorerst letzten Mal: „Wir werden das in dieser Form nur einmal machen“, sagt der Zeichner. „Es ist alles wirklich sehr teuer.“

Ein Bild aus Andreas Hartungs Bilderzyklus „The Colour out of Space“.

Auf Text und Dialog verzichtet die Aufführung komplett: „Erzählt wird allein durch Zeichnung, Rhythmus und Klang“, heißt es in der Ankündigung. „Die Langsamkeit ist dabei nicht Stilmittel, sondern Haltung: In fünf Kapiteln wird der schleichende Wandel der Natur ausführlich und beinahe kontemplativ verfolgt.“

„Begonnen hat es als Bilderbuch ohne Worte“, erinnert sich Hartung an die Anfänge des Projekts. „Jede Seite ein Bild.“ Als der erste Teil fertig war, sei er zwar mit dem Ergebnis sehr zufrieden gewesen. Aber ihm sei auch klar geworden, dass am Ende ein 300-seitiges, wortloses Bilderbuch für Erwachsene stehen würde: „Das verlegt dir kein Verlag.“

Ihm kam die Idee, seine Bilder mit Musik zu kombinieren. Zu jener Zeit hatte er gerade den Gitarristen Daniel Tschernow kennengelernt, der ein Faible für handgemachte, rohe Musik hat. Daraus erwuchs eine Zusammenarbeit. Mit der Zeit kamen der Bassist Bennet Gamrad, der Synthesizer-Klangdesigner Paul Bertin und der Schlagzeuger Johannes Hehemann dazu und bildeten „The Dunwich Orchestra“.

„Eines der entscheidenden Merkmale des Projekts ist seine monumentale ökonomische Sinnlosigkeit“, sagt Hartung rückblickend. „Wir arbeiten seit über zehn Jahren an etwas, nach dem niemand gefragt hat und das in seiner kommerziellen Verwertung auch extrem begrenzt ist.“

Ein Bild aus Andreas Hartungs Bilderzyklus „The Colour out of Space“.
Das Veranstaltungsplakat.

© Andreas Hartung / Babylon

Er hingegen erfreue sich am Ende des zehnjährigen Projekts „an diesem irrationalen Irrsinn, der etwas hervorgebracht hat, was niemand braucht, was niemand verwerten kann, was aber dennoch eine feste Form angenommen hat und einen Wert hat“. Das sei „wie eine trotzige Selbstvergewisserung“.