Kinostarts der Woche: Ist Christopher Nolans „Die Odyssee“ der Blockbuster des Sommers?

Diese Woche haben Sie die Wahl, welche Reise Sie mit ihrem Kinoticket antreten wollen. Wie wär’s mit einem Trip ins alte Griechenland? Mögliche Verspätungen sind zu berücksichtigen („Die Odyssee“). Oder doch lieber Nordspanien („So klingt das Leben“)?

„Was haben wir gelacht“ ist ein (Horror-)Trip in das Gruselkabinett deutscher TV-Misogynie. Auch eine Reise ins Reich der Insekten steht auf dem Kino-Plan („Insekten – Helden im Verborgenen“).

1 Die Odyssee

Dieses Mal versucht Christopher Nolan den Sommer-Blockbuster des Jahres im Alleingang zu stemmen, kein „Barbenheimer 2.0“ also. „Die Odyssee“, seine Verfilmung des über 3000 Jahre alten Homer-Epos, ist das größte, sprich ambitionierteste, Reboot, das Hollywood je gesehen hat.

Der Regisseur fährt dafür alles auf, was das amerikanische Studiosystem derzeit zu bieten hat, um auch das jüngere Publikum von den Handys wegzulocken.

Nur im Kino lässt sich das größte aller Epen mit Matt Damon und Robert Pattinson sowie dem GenZ-Power-Couple Tom Holland und Zendaya erleben, gedreht im Imax-Format und an „Originalschauplätzen“.

Nolan erzählt die Irrfahrt seines Helden in Episoden: die Kämpfe mit dem Zyklopen Polyphem und den Laistrygonen, die direkt aus „Game of Thrones“ stammen könnten, die Begegnung mit Circe (Samantha Morton), die erst seine Begleiter in Schweine verwandelt und ihm dann den Weg in den Hades weist.

Als Rahmenhandlung dient sein unfreiwilliges siebenjähriges Exil in der Obhut von Kalypso (Charlize Theron), bevor er sich auf die Rückkehr nach Ithaka aufmacht.

Die verworrene Struktur erweist sich jedoch als Schwäche. Erst in der letzten Stunde, als der als Bettler verkleidete Odysseus seinen Anspruch auf den Thron von Ithaka erhebt – unter anderem gegen einen wunderbar verschlagenen Robert Pattinson als vielversprechendsten Rivalen um die Hand der Königin (Anne Hathaway) –, erzählt „Die Odyssee“ wirklich überzeugend von der Zerrissenheit seines Helden.

Doch Christopher Nolan hat sein Ziel erreicht: Er hat sich, gleich neben Homer, in den westlichen Kanon eingeschrieben. (Andreas Busche)

2 So klingt das Leben

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Acht Jahre hat sich Regisseurin Lotta Schwerk Zeit für ihre Geschichte genommen. Als sie 2018 einen Coming-of-Age-Kurzfilm mit ihren Freundinnen abgedreht hatte, beschlich sie das Gefühl, die Geschichte sei nicht beendet.

Also traf sich das Team Jahr für Jahr wieder, um ein weiteres Stück der filmischen Langzeitstudie zu drehen.

Eine hervorragende Idee, denn so kann man der Protagonistin Leonie (Emma-Katharina Suthe, Mitte) beim Erwachsenwerden zusehen: wie sie sich zum ersten Mal in ein Mädchen (Marie Tragousti) verliebt, wie sie entgegen der Erwartungen anderer ihren Weg geht, wie sich die Freundschaft zu ihrer besten Freundin (Merle von Mach) verändert und wie sie in einer Fernbeziehung mit den psychischen Problemen ihrer Freundin umgeht.

Der Film ist fragmentarisch erzählt und folgt keiner chronologischen Handlung, was ihn besonders roh und authentisch macht. In einem Interview spricht Schwerk von den Drehabschnitten als „Zeitkapseln“.

Genau so fühlt es sich an, wenn man den Film sieht: wie ein intimer Einblick in ein Heranwachsen in der nahen Vergangenheit. (Emma Rotermund)

4 We’ll Find Happiness

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Wer sich lustig macht, definiert die Welt. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster, Humorpionierinnen der deutschen TV-Unterhaltung, erzählen, wie sie sich einen Platz im Fernsehen erkämpften.

Es gleicht einem Gruselkabinett, was die Filmemacherinnen Eva Müller und Isabel Schneider für ihren erhellenden Dokumentarfilm aus den Fernseharchiven der öffentlich-rechtlichen wie der privaten Sender der Neunziger und frühen Nullerjahre gefischt haben.

Aus der Zeit, als Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Stefan Raab als Nonplusultra in Sachen Humor galten. Damals waren im Alltag Witze auf Kosten von Ausländern, Schwulen, Frauen allgegenwärtig.

Umso mehr erschrickt man in der Rückschau, was für reaktionäre Humor-Muster von den angeblichen Entertainment-Avantgardisten ihrer Zeit verbreitet wurden. Und wie willig das Fernsehpublikum sie konsumiert hat.

„Was haben wir gelacht“ ist ein Gruselkabinett des Männerhumors und zeigt eine misogyne Vergangenheit, die trotz mancher Fortschritte noch längst nicht vergangen ist. (Gunda Bartels)

Eine vollständige Rezension können Sie hier lesen.

6 Insekten – Helden im Verborgenen

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