Fortsetzung des Erfolgscomics „Die Frau als Mensch“: Eisige Zeiten, starke Frauen

Die Wehen setzen ein, als ihr Clan auf dem Weg ins Winterlager ist. Schnell wird für die junge Frau in der eiszeitlichen Wildnis zwischen der heutigen Tschechischen Republik und Österreich eine Schwitzhütte gebaut, in der sie ihr Kind warm und geschützt zur Welt bringen kann. Die wichtigste Helferin dabei ist die Schamanin, die auch die Hebamme der von der Mammutjagd lebenden Gruppe ist.

Der Alltag dieser Nomadinnen und Nomaden vor rund 30.000 Jahren in Mitteleuropa ist einer der Erzählstränge im neuen Buch „Die Frau als Mensch: Schamaninnen“ von Ulli Lust („Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“, „Flughunde“, „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“). Es ist der zweite Teil einer beeindruckenden Bilderzählung, deren erster Teil mit dem Untertitel „Am Anfang der Geschichte“ im vergangenen Jahr zum Bestseller avancierte und mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde – als erster Comic überhaupt.

Auch der gerade im Berliner Reprodukt-Verlag erschienene Nachfolgerband der in Berlin lebenden Österreicherin hat bereits eine erste wichtige Ehrung bekommen: Er wurde vor einigen Tagen für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

„Die Frau als Mensch“ dekonstruiert dabei nicht nur etliche überlieferte Narrative, sondern bietet auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse auch neue Erzählungen an. Dabei macht Ulli Lust jedoch immer transparent, dass ihr Narrativ genauso ein Produkt ihrer Zeit und Perspektive ist wie jedes andere. „Er­zählungen über die Vergangenheit sind immer Spekulation“, schreibt sie an einer Stelle. „Sonst müssten wir uns mit reinen Dokumenten begnügen. Die Ur­geschichte werden wir stets neu erfinden.”