Diego Demme verlässt Hertha BSC: Nur eine weitere Was-wäre-gewesen-wenn-Geschichte

Das Heimspiel des 1. FC Magdeburg gegen Hertha BSC am Sonntag war in jeder Hinsicht gut besucht. Das Stadion war ausverkauft, und auf den teuren Plätzen saß einiges an fußballerischer Prominenz. Mitch Kniat zum Beispiel, Trainer des Zweitligakonkurrenten Arminia Bielefeld. Oder Peter Niemeyer, Leiter Profifußball bei Werder Bremen.

Dass Niemeyer aus alter Verbundenheit zu seinem Ex-Klub Hertha zuschaute, ist eher unwahrscheinlich. Vermutlich hatten ihn berufliche Gründe nach Magdeburg geführt. Vielleicht das Interesse an Herthas Linksverteidiger Michal Karbownik, der mit Werder in Verbindung gebracht wird. Oder das an Mittelstürmer Dawid Kownacki, den die Bremer an Hertha ausgeliehen haben und der nach der Saison zu Werder zurückkehren könnte.

In beiden Fällen war der Erkenntnisgewinn für Niemeyer überschaubar. Karbownik fiel nur einmal auf, als er im eigenen Strafraum ausrutschte und damit den Weg zum Siegtreffer der Magdeburger freimachte. Sein polnischer Landsmann Kownacki war gar nicht im Einsatz. Er hatte sich krank gemeldet.

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Pflichtspiele hat Demme für Hertha bestritten – von 75 möglichen

Dass Kownacki fehlte, passte ins Bild: Seine Leihe nach Berlin stand bisher unter keinem guten Stern. Der Pole war bei Hertha als Stürmer Nummer eins eingeplant, doch dieser Rolle konnte er nie gerecht werden. Dafür war Kownacki – aus diversen Gründen – zu selten verfügbar.

Herthas Problem ist, dass sich dieses Problem nicht auf Dawid Kownacki beschränkt hat. Zu viele vermeintliche Schlüsselspieler standen Trainer Stefan Leitl (und zum Teil schon seinen Vorgängern Pal Dardai und Cristian Fiél) nicht dauerhaft zur Verfügung.

Das gilt für Jeremy Dudziak, der insgesamt 17 Monate kein Pflichtspiel für Herthas Profis bestritten hat. Das gilt für Paul Seguin, Leitls erklärten Wunschspieler, der in der Vorbereitung und zu Saisonbeginn mehrere Wochen lang ausgefallen ist. Und das gilt auch für John Anthony Brooks.

Der Innenverteidiger hat es in fast zwei Jahren bei den Berlinern auf einen einzigen Kurzeinsatz gebracht. Dass noch ein weiterer hinzukommt, ist unwahrscheinlich. Brooks, 33 Jahre alt inzwischen, befindet sich aktuell im Aufbautraining, nachdem er sich zuletzt erneut verletzt hat. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus.

Nicht ganz so arg und doch besonders ärgerlich war es bei Diego Demme – denn ihm war als strategisch denkender Sechser bei Hertha eine Schlüsselrolle zugedacht. Schon im Sommer 2023, unmittelbar nach dem Abstieg aus der Bundesliga, hatten sich die Berliner um den Mittelfeldspieler mit der beachtlichen Vita (ein Länderspiel, Champions-League-Erfahrung mit Rasenballsport Leipzig, Italienischer Meister mit Neapel) bemüht. Nach ewigem Hin und Her kam der Wechsel schließlich 2024 zustande.

Wenn ich gespielt habe, konnte ich ganz gute Leistungen abrufen. Aber es war halt von der Verfügbarkeit nicht wie sonst in meiner Karriere.

Diego Demme

Von den 75 möglichen Pflichtspielen seitdem hat Demme nur die Hälfte (37) bestritten, und maximal zwei können noch hinzukommen: am kommenden Sonntag im Olympiastadion gegen Greuther Fürth und dann am letzten Spieltag bei Arminia Bielefeld, dem Verein, bei dem Demme vor mehr als anderthalb Jahrzehnten sein Debüt als Profi gefeiert hat.

Der Vertrag des 34-Jährigen bei Hertha läuft nach dieser Saison aus, verlängert wird er nicht. Das hat Demme selbst am Sonntag nach der 0:1-Niederlage in Magdeburg bekannt gegeben. „Bei Hertha ist Ende“, sagte er. Überraschend kommt das nicht.

Der Mittelfeldspieler hatte seit dem Spätsommer 2024 mit den Folgen einer Kopfverletzung zu kämpfen. Immer wieder klagte er über Schwindel und Kopfschmerzen, fiel dadurch zweimal über mehrere Monate aus.

Ob er weitermacht, ist noch offen

„Diese beiden Rückschläge waren schon entscheidend für die Zeit hier bei Hertha“, sagte Demme. „Wenn ich gespielt habe, konnte ich ganz gute Leistungen abrufen. Aber es war halt von der Verfügbarkeit nicht wie sonst in meiner Karriere. Da war ich eigentlich zu 90 Prozent immer fit.“

Demme hat bei Hertha nur punktuell zeigen können, was er der Mannschaft hätte geben können. Ende der vergangenen Saison zum Beispiel, als er nach dem Trainerwechsel von Fiél zu Leitl aus der langen Verletzungspause auf den Platz zurückkehrte. Da war er laut Leitl der Spieler, „der ein Spiel stabilisiert, der es lenkt und strukturiert mit seiner fußballerischen Klasse“.

Letztlich ist die Zeit von Diego Demme bei Hertha BSC eine Was-wäre-gewesen-wenn-Geschichte geworden. Eine von vielen.

Ob es für Demme jenseits von Hertha noch ein weiteres Kapitel seiner Karriere geben, ist offen. Lust hätte er schon – gerade weil die letzten beiden Jahre für ihn „nicht so geil waren“, wie er sagte. „Ich würde gerne anders aufhören.“