Die besten Kinostarts der Woche: Robert Pattinson als Pädophilen-Jäger

Star der neuen Kinowoche ist wohl Robert Pattinson („Twilight“), der in „Primetime“ kaum wieder zu erkennen ist, als ruchlosen Moderator eines Reality-TV-Formats, das Pädophile anlockt und bloßstellt.

Einen Höhepunkt des Filmjahres liefert auch die Berliner Regisseurin Valeska Grisebach mit dem stillen Drama „Das geträumte Abenteuer“.

1 Primetime

Immer wieder wird Robert Pattinson von deliriumhaften Naheinstellungen eingefangen. Wenn er sich unbeobachtet fühlt, peitscht er sich vor dem Spiegel manisch mit Sätzen aus seinem Skript ein.

David Bolens schlierige Bilder emulieren die hässliche TV-Ästhetik der 2000er Jahre und verleihen Pattinson eine ungesunde Gesichtsfarbe, die sein soziopathisches Grimassieren noch betont.

Hollywoods Spezialist für abseitige Rollen spielt den selbsterklärten Investigativ-Journalisten Chris Hansen als aasigen Narzissten, der sich selbst auf der richtigen Seite des Gesetzes wähnt – was jede noch so unlautere Methode rechtfertigt.

Der NBC-Moderator liebte die großen Auftritte. Plötzlich stand er im Raum, wie auf einer Bühne. In der Mediensatire „Primetime“, dem Spielfilmdebüt des Dokumentarfilmers Lance Oppenheim, stolziert er einmal buchstäblich eine Art Showtreppe hinunter, mit seinem Wiedererkennungsspruch „Warum nehmen Sie nicht Platz?“

Der Satz ist die Eröffnung eines ritualisierten Tribunals, das zwischen 2004 und 2007 die amerikanische Fernsehöffentlichkeit faszinierte. Die Reality-Show „To Catch a Predator“ war eine Art „Versteckte Kamera“ für potenzielle Sexualstraftäter, die der Moderator mithilfe von Lockvögeln auf frischer Tat bei Dates mit Minderjährigen ertappte und vorführte.

Hansens Karriere endet 2007 abrupt nach einem tödlichen Zwischenfall im Haus eines vermeintlichen Pädophilen, des texanischen Staatsanwalts Bill Conradt. Seine „investigative“ Arbeitsweise hatte ihr erstes Todesopfer gefunden. Doch so weit geht die Medienkritik in „Primetime“ nicht.

Oppenheims Film suhlt sich vielmehr in moralischer Ambiguität, etwa wenn Hansen im Studio seinen Kameramann dazu auffordert, auf die schwitzenden Poren des Täters zu zoomen, um beim Publikum einen größeren emotionalen Effekt zu erzielen. Seine Produzentin Andie (Merritt Wever) fungiert, kaugummikauend, als Cheerleader von der Seitenlinie für ihren Goldjungen.

„Primetime“ hätte tatsächlich eine ernsthafte Kritik, vielleicht sogar eine bissige Satire über ein Unterhaltungssegment in den amerikanischen Medien sein können, das für sich in Anspruch nimmt, für Recht und Ordnung zu sorgen. Live vor den Fernsehkameras.

Aber der Film wird irgendwann so sehr eins mit seinem Protagonisten (und dessen Darsteller), dass Oppenheim das richtige Maß abhandenkommt. Er lässt sich immer wieder von der eigenen Sensationslust verleiten. Die fiebrige Intensität von „Primetime“ und Pattinson suchen die Komplizenschaft des Publikums.

Möglicherweise auch nur, um vorzuführen, dass die Sensationslust ein ureigenes Bedürfnis des Fernsehens – und des Menschen – ist. (Andreas Busche)

2 Eiserne Wildnis – Heart Of The Beast

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Veska (Yana Radeva) arbeitet als Archäologin im bulgarisch-griechisch-türkischen Grenzgebiet. Sie ist an den Ort ihrer Jugend zurückgekehrt, ebenso ihr alter Bekannter Saïd (Syuleyman Letifov), der im Grenzland krumme Geschäfte mit dem lokalen Paten Ilia (Stoicho Kostadinov) macht.

Zwischen der resoluten Frau und dem genretypischen Schweiger entspinnt sich eine zarte Verbindung, die umso stärker wird, als er ohne Nachricht verschwindet. Kurzerhand übernimmt Veska mit einigen Frauen im Ort seinen Benzinschmuggel, um Saïds Schulden bei Ilia zu begleichen.

So wird ihre Rückkehr zu einer Zeitreise in die ‚rohen‘ 1990er Jahre Bulgariens, die die Frauen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Die Berliner Regisseurin Valeska Grisebach erzählt diese Geschichte, die fast ein Thriller sein könnte, ohne stringente Dramaturgie. Ihr Interesse an der Vermischung von Spielfilm und ethnografisch-dokumentarischen Elementen erfordert eine unkonventionelle Herangehensweise, die eine geradezu soghafte Wirkung ausübt. Ein Höhepunkt des Filmjahres. (Andreas Busche)

4 Von Scham und Geld

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