Das Finale der Serie „The Boys“ auf Amazon Prime : Wenn Superhelden zur Bedrohung werden
„USA! USA! USA!“ schallt es Homelander auf der Bühne entgegen. Er steht an Amerikas Spitze, soll dem Volk Profit bringen und natürlich auch den Glauben daran, dass das Gute immer siegt. Plötzlich erstirbt dem Superhelden das breite Lächeln auf dem Gesicht. Der Saal schweigt. Hinter ihm taucht ein Video auf der Leinwand auf, das Homelander dabei zeigt, wie er ein Passagierflugzeug in den Tod schickt.
Die fünfte und letzte Staffel der Amazon-Prime-Serie „The Boys“, schon nach ein paar Tagen auf Platz 1 im Serienranking geschossen, zeigt den bösen Superhelden Homelander zum einen auf der Höhe seiner Macht, zum anderen durch den (nicht enden wollenden) Widerstand der „Boys“ gefährdet wie nie.
Zur Erinnerung, und für diejenigen, die eine der extremsten Superhelden-Serien seit dem Start 2019 noch nicht gesehen haben: Homelander ist (mit Abstand) stärkster einer Gruppe von korrupten und manipulativen Superhelden, den Supes, die der Großkonzern Vought mittels eines Superserums ins Leben gerufen hat und massiv vermarktet.
Vought sorgt dafür, dass diese keine Konsequenzen befürchten müssen, auch wenn Homelander Zivilisten beim Flugzeugabsturz sterben lässt.

© Jasper Savage/Prime Video/Jasper Savage/Prime Video
Eine Gruppe junger Männer, „The Boys“, um ihren Anführer William Butcher herum, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Supes, vor allem Homelander, zur Strecke zu bringen.
In Staffel 4 hatte es Homelander (Antony Starr) zum Dominator der Vereinigten Staaten gebracht. Im Weißen Haus sitzt ein ihm wohlgesonnener Präsident. Homelanders Macht ist so unbegrenzt, dass er in Staffel 5 darüber nachdenkt, all jene zu bestrafen, die negative Kommentare über ihn im Internet absetzen.
Alles ist wieder einen Tick drüber
Den Boys – Hughie, Mother’s Milk und Frenchie – droht hingegen in einem sogenannten „Freedom Camp“ die Hinrichtung. Eine Falle: Billy Butcher (Karl Urban) und die abtrünnige Supe Starlight sollen Homelander bei der Befreiungsaktion in die Hände fallen.
Der Ausgang des schon wieder sehr blutigen Finales der ersten Folge sei hier nicht verraten, genauso wenig wie der Spin, den die restlichen sieben Folgen nehmen. Nur so viel: Alles ist wieder einen Tick drüber.
Teilweise Quatsch, teilweise grandios, teilweise superreferentiell. Mit Bezügen zu Martin Niemöller (!), Peter Thiel oder Trump. Dieser Reality-Touch gehört ja irgendwie auch zum Serienphänomen „The Boys“.
Die stärksten Männer sind wohl am einsamsten.
Der Superheld Homelander in „The Boys“
Genauso wie explodierende Körper, exzessive Gewalt, Homelanders Narzissmus und Zweifel, gebrochen durch eine Vater-Sohn-Story, der Incel-Podcast von Homelanders Gefolgsmann The Deep („Von Brüdern für Brüder“), Penis-Witze.
Dazu noch Butchers Verkorkstheit, die sich, trotz tödlicher Krankheit, mit Erfindung eines Anti-Supe-Virus, das Homelander und den Rest der Menschheit killen kann, vervielfacht hat.
Dabei ist die Amazon-Show dieses Mal noch näher an der Realität als in vorherigen Staffeln. Vieles, wie die Politisierung der Religion und Deepfake-Debatten, scheint hier von der absurd wirkenden realen US-Politik eingeholt und überholt.
Ob Donald Trump gerne „The Boys“ guckt? Dann muss er sehr stark sein. Das Serienende naht, vielleicht ja auch – Billy Butcher sei Dank – das Ende von Homelander.
Allerdings sollen bald gleich zwei Spin-off-Serien am Start sein, darunter das Prequel „Vought Rising“ über die Abenteuer von Staffel 5-Rückkehrer Soldier Boy vor den Ereignissen der Hauptserie. Die „The Boys“-Maschine läuft. Vought hätte seine Freude dran.