Kinostarts der Woche: Papa sagt, meine Mama ist zu fett

Und wieder ist es irgendein Durchschnitts-Werner, der meint, den Körper seiner Partnerin kontrollieren zu müssen. Klingt nach patriarchaler Vergangenheitsfantasie?

Tatsächlich spielt der Film „Lügen über meine Mutter“ in den 80er-Jahren. Angesichts der Renaissance von Heroin Chique, Looksmaxxing und Abnehm-Spritze ist die Frage nach toxischen Schönheitsidealen leider wieder aktuell.

Außerdem im Kino? Eine Whistleblowerin, die sich einem Social-Media-Riesen entgegenstellt („The Social Reckoning“) und Aliens in der südkoreanischen Provinz („Hope“). Was diese Woche besonders sehenswert ist, lesen Sie hier.

1 The Social Reckoning

Die Fortsetzung der Mark-Zuckerberg-Saga von Aaron Sorkin, der vor 16 Jahren das Drehbuch von David Finchers „The Social Network“ geschrieben hatte, kommt zu einem kritischen Zeitpunkt ins Kino. Facebook hat das Medienverhalten in einer Weise verändert, wie Regisseur und Drehbuchautor es damals nicht mal zu träumen gewagt hätten.

Der „Vibe-Shift“ beginnt gleich im Prolog, in dem eine betrunkene Weiße zwei Polizisten of Color bei einer Kontrolle zu provozieren versucht und ihre Tirade live ins Netz streamt. Die Frau ist eine frühere Bekannte der Informatikerin Frances Haugen („Anora“-Star Mikey Madison mit einer zurückgenommenen Performance), die Ende der 2010er-Jahre in Facebooks „Civic Integrity“-Abteilung arbeitet.

Die Abteilung, die die Verbreitung von Desinformation in den sozialen Medien überwacht, wurde 2020 eingestellt. Zwei Jahre, nachdem Facebook seinen Algorithmus umgestellt hatte. Nicht mehr, was Nachrichtenwert hat, wird gepusht, sondern was den Blutdruck hochtreibt. Die echte Frances Haugen stahl 2021 Tausende Dokumente über die neuen Richtlinien – und wandte sich an das „Wall Street Journal“.

„The Social Reckoning“ dreht sich um den 6. Januar 2021, wenige Stunden, bevor ein Mob das Kapitol stürmt. Zuckerberg und sein PR-Team spielen einen Probelauf für eine Kongressanhörung durch. Das Thema der Anhörung erläutern Rückblenden, in denen Haugen und Reporter Jeff Horowitz (Jeremy Allen White) bei konspirativen Treffen vertrauliche Informationen austauschen.

Madison und White haben eine gute Chemie. Die Whistleblowerin, die eigentlich nur den Konzern vor sich selbst retten will, und der technisch minderbemittelte Underdog, der nur langsam versteht, dass er an der Geschichte seines Lebens dran ist. Sorkin kann mit seinen Dialogen Welten erschaffen.

Dass der Spaß am Internet vorbei ist, daran lässt schon das Method Acting von Jeremy Strong keinen Zweifel. Er spielt Zuckerberg als roboterhaften Soziopathen. Der Versuch, ihm für die Anhörung ein Mindestmaß an menschlichen (sprich: sympathischen) Eigenschaften anzutrainieren, ist aus Sorkins Feder Comedy-Gold, allerdings mit bedrohlichem Unterton.

Nichts in „The Social Reckoning“ ist überraschend. Als zeitgenössischer Kommentar ergibt der Film in Relation zum Vorgänger Sinn. „The Social Network“ spekulierte, was für eine Medienplattform jemand, der menschliche Verhaltenscodes nachahmt, erschaffen könnte. 16 Jahre später werden diese Plattformen zunehmend von Algorithmen bespielt, die Menschen zu imitieren versuchen. (Andreas Busche)

2 Lügen über meine Mutter

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Garten, Bier und abends Glotze, so sieht Harrys Rentnerprogramm aus. Lore nervt das. Derb klingen die Gereiztheiten, die Dagmar Manzel und Joachim Król sich als Paar nach 40 Jahren an den Kopf knallen. Szenen einer Ehe am östlichen Stadtrand von Berlin.

Lore, die als Bibliothekarin arbeitet, will eigentlich was ganz anderes. Aufbruch statt Ruhestand. Sie organisiert Dichterlesungen, bei denen die literarischen Berühmtheiten Christoph Hein und Clemens Meyer eher eine komische Figur abgeben.

Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler, die 2008 für ihr Alterssex-Drama „Wolke 9“ gefeiert wurden, nehmen sich erneut einer Liebesgeschichte unter Senioren an. Dieses Mal als gelassenes Kammerspiel, das die Melancholie des Alterns ebenso atmet wie das Aufbegehren dagegen.

„Alte Liebe“ erzählt genauso von zärtlicher Zuwendung, wie von den Abgründen, die sich zwischen Lore und Harry schlagartig auftun. Diese bitteren Crashs ebenso stimmig zu erzählen wie die unsentimentalen, einander tröstenden Gespräche über das Altern, darin liegen die Qualitäten des Menschenkinos von Andreas Dresen. (Gunda Bartels)

Ein Interview mit dem Regisseur und der Hauptdarstellerin lesen Sie hier.

4 Hope

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Ole und Hannah sind zwei von vielen Hippies, die sich Ende der 60er nach Südasien begaben, auf der Suche nach Sinn und Spiritualität. „There were many, many hippies, but they were the luckiest hippies“, wie Sharmapa Mipham Chökyi Lodrö es ausdrückt.

Durch Zufall trafen die beiden 1969 den im Exil lebenden Rangjung Rigpe Dorje, den 16. Karmapa und Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus. Tief bewegt von der Begegnung entschieden sich Hannah und Ole, seine Schüler zu werden. Schließlich wurden sie zu Schlüsselfiguren der Verbreitung buddhistischer Lehren im Westen – und gründeten Hunderte Meditationszentren.

„Meeting The Buddha“ spielt mit Kontrasten: Hier der erleuchtete Buddha, da der wilde Wikinger-Typ Ole, Motorrad fahrend, Drogen schmuggelnd, aus einem Flugzeug springend… Gerne hätte man mehr über die politischen Umwälzungen der Zeit erfahren. Die chinesische Besatzung Tibets wird nur angerissen. Stattdessen hört man vor allem, wie Ole und Hannah von ihrem Lehrer schwärmen. Der Weg zur Erleuchtung mag lang sein – dieser Film ist es auch. (Amelie Bauer)

6 Forgotten Island

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.