Kino-Reboot von „Resident Evil“: Endlich eine Game-Verfilmung, die Spaß macht

Im Dienstleistungsgewerbe ist der Kurier das ärmste Schwein. Er verfügt weder über eine Krankenversicherung noch über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft, ist leicht ersetzbar und muss bei Wind und Wetter seine Knochen hinhalten.

Bryan, von „Euphoria“-Star Austin Abrams mit zunehmend komischer Verzweiflung gespielt, ist der Prototyp dieses bemitleidenswerten Exemplars, weder geschaffen für die Herausforderungen des Spätkapitalismus noch für eine Zombie-Apokalypse. In beiden Fällen steht er am unteren Ende der Nahrungskette.

Die 2026-Version von „Resident Evil“, ohne Zahlen oder sonstige Titel-Anhängsel, als hätte es die vorigen sieben Filme, Sequels und Reboots, nie gegeben, springt mit einer für eine Videospiel-Adaption sinnfälligen subjektiven Perspektive mitten ins Geschehen.

Bryan arbeitet für ein medizinisches Kurierunternehmen, aber Dank darf er für seinen heroischen Einsatz nicht erwarten, er liefert nur die überlebenswichtigen Organe (meist unpünktlich). Fürs Lebenretten sind die Ärzte zuständig.

Und weil er das Geld braucht (doppelte Bezahlung!) und seine Freundin zudem zu Hause mit einer Nachricht auf ihn wartet, die ihrer beider Leben für immer verändern wird, nimmt der Feigling für etwas Zeitaufschub noch einen letzten Job vor Dienstschluss an. Er soll eine Kühltasche ins Raccoon General Hospital bringen. „Resident Evil“-Fans verstehen diese Information sofort, nur Bryan ahnt nicht, was ihn in dem Schneegestöber, das vor ihm aufzieht, erwartet.

Zach Cregger gilt als neue Hoffnung des Horror-Genres

Man muss allerdings konstatieren, dass auch Horrorfans nur unzureichend auf Zach Creggers Verfilmung des Game-Klassikers vorbereitet sind. Dass sein „Resident Evil“ mehr als bloß ein weiterer Aufguss dieses am Ende doch arg lädierten “geistigen Eigentums“ werden würde, hat der amerikanische Regisseur (und frühere Komiker) schon mit seinem letzten Film „Weapons“ deutlich gemacht.

Creggers Horror ist weniger blutig als vielmehr auf delirante Weise verstörend. Mit „Weapons“ gelang ihm zudem das für einen Horrorfilm seltene Kunststück, seinem heimlichen Star einen Oscar zu bescheren. Amy Madigans Aunt Gladys ist eine der bizarrsten Figuren im jüngeren Horrorfilm, eine Art moderne Hexe, die eine amerikanische Kleinstadt in ihren Bann schlägt. Dafür lässt sie über Nacht eine ganze Schulklasse verschwinden.

Mit „Weapons“ und dem Vorgänger „Barbarians“, die ihm in Hollywood den Ruf einer aufregenden neuen Stimme im zuletzt wieder innovationsfreudigen Horrorfilm einbrachten, hat Cregger ein paar Genrekonventionen aktualisiert. Zum Beispiel, dass nicht der abrupte „Jump Scare“, sondern die sich aus großer Entfernung rasend schnell nähernde Bedrohung das ultimative Schreckensszenario ist.

Aber wie viel Erneuerung verträgt ein eingefahrenes Franchise mit eigener Mythologie – deren „World Building“ zudem auf einer 30 Jahre alten Videogame-Reihe beruht? Zuletzt mussten schon im Haus Marvel einige wirklich vielversprechende Regisseurinnen und Regisseure lernen, dass letztlich die Wiedererkennbarkeit der Marke wichtiger ist als ein paar originelle neue Ideen.

Selbst der Rechteinhaber hatte die Reihe als tot betrachtet

Bei „Resident Evil“ war allerdings klar, dass die selbst vom Rechteinhaber, der deutschen Constantin Film, für tot erklärte Reihe nur mit einem radikal neuen Ansatz wiederzubeleben sei. So konnten sich die Münchner die Dienste eines der in Hollywood gerade umworbensten Regisseure sichern.

Mit Austin Abrams’ Bryan dürften sich sehr viele Fans identifizieren, die mit dem Konsolenklassiker „Resident Evil“ auf der heimischen Couch groß geworden sind. Kein Überlebenskünstler, sondern ein mit Pizza aufgepäppelter Stoner, der schon an einem einfachen Vorhängeschloss verzweifelt. Doch seine Unbedarftheit macht ihn unverwundbar.

Szene aus dem Film "Resident Evil" von Zach Cregger.Pädophiliedrama „Gentle Monster“ im Kino Der blinde Fleck in der eigenen Familie

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Spätestens im Showdown muss Cregger nach zwei Low-Budget-Filmen natürlich noch beweisen, dass er auch das Spektakel, ganz ohne Computereffekte, beherrscht. Es ist ein verschmerzbares Zugeständnis, weil er seine Monstershow mit den inzwischen charakteristisch grotesken Exzessen garniert. Creggers Hintergrund als Comedian mag vielleicht nicht die Rettung für das Franchise bedeuten. Aber die großen US-Studios können sich an „Resident Evil“ vielleicht mal ein Beispiel nehmen.