Sehen und Gesehenwerden bei der Art Week: Am Kulturforum feiert die Berliner Kunstszene

Fünf Tage dauert die Berlin Art Week. In diesem Jahr ist mehr los denn je. Gestern zur „Gallery Night“ hatten die Galerien der Stadt bis 22 Uhr geöffnet, von Mitte bis Kreuzberg standen Besucher in Gruppen auf den Bürgersteigen, mit Drinks in der Hand. Zum glamourösen und sehr exklusiven Dinner trafen sich Sammler, Galeristen und diverse Influencer im Grill Royal in Berlin-Mitte.

Wer dabei sein möchte, sollte sich heute und an den folgenden Tagen zum Kulturforum begeben. Die Neue Nationalgalerie und die Gemäldegalerie richten jeweils auf ihren Terrassen den sogenannten „BAW Garten“ aus, den kostenfreien Festivaltreffpunkt mit Ausstellungen, Essen, Performances und DJ-Sets bis in die Nacht. Zum großen Opening sah man lokale Bekanntheiten wie Berghain-Türsteher Sven Marquardt, Kunstsammlerin Sidonie Gräfin von Wedel im Glitzerlook, Berliner Politik und internationale Künstlerinnen und Künstler.

Noch bis zum Sonntag laufen in der Nationalgalerie Tänzer senkrecht an den Scheiben des berühmten Mies-van-der-Rohe-Baus entlang: Mitglieder der berühmten Trisha Brown Dance Companie performen das ikonische Werk „Walking on the Wall“ aus dem Jahr 1971. Nebenan gibt es die einmalige Gelegenheit, die Baustelle des neuen Museums „Berlin Modern“ zu besuchen.

Man munkelt, eine Delegation des saudi-arabischen Scheichs habe die Gelegenheit bereits genutzt. Zwischen den unfertigen Betonwänden findet eine Ausstellung des früh verstorbenen, wegweisenden Künstlers Gordon Matta-Clark statt – bevor sich die Türen wieder schließen (Tickets kosten 8 Euro, hier buchen).

Bild der Art-Week-Performance Ersan Mondtag von ins System? Foto: Hans Krestel
Die Performance von Enfant Terrible Ersan Mondtag in der Gemäldegalerie gehört zu den Highlights der Art Week.

© Hans Krestel

Ein besonderer Magnet ist die Performance des Theater-Enfant-Terribles Ersan Mondtag mit Kurator Nadim Samman, die am Freitagabend in der Gemäldegalerie Premiere hat. Mit dabei: Serienstar Louis Hofmann, bekannt geworden durch die Netflix-Mystery-Serie „Dark“. Wer ihn in Aktion erleben möchte, hat nach der restlos ausverkauften Premiere auch am Samstag und Sonntag noch Gelegenheit. Mondtag wird für diese Gelegenheit mit Gucci-Klamotten aus der neuen Kollektion von Demna ausgestattet und hat illustre Gäste eingeladen.

Außerdem gibt es eine ganz besondere Performance im Hotel Adlon. In die Royal Suite, aus deren Fenster Michael Jackson einst sein Baby hielt, lädt die Berliner Künstlerin Sunny Pudert zu einem Abend mit Lesungen und Performances. Die Plätze waren auch hier sehr schnell weg.

In der Sammlung von Julia Stoschek, die nach der Art Week ihre Berliner Dependance schließt, gibt es bis zum Sonntag noch Videokunst und Konzerte. Am Mittwochabend feierte die Kunstsammlerin dort unter anderem mit Gisela Getty, dem berühmten Fotografen Miles Aldridge und dem Künstler Maurizio Cattelan.

Am Abend lockt die „Featured Night“ mit verlängerten Öffnungszeiten, Eröffnungen und Events vor allem an die Orte der freien Szene und in Projekträume. Kunst erleben, reden, essen und die Nächte durchtanzen kann man beim „Soft Power Festival“ im Haus der Visionäre in Treptow (Eichenstraße 4), direkt am Wasser. Dort ist bis Montagfrüh tatsächlich rund um die Uhr geöffnet. Veranstalterin ist die Galeristin Anahita Sadighi, sie bringt 40 Künstlerinnen und Künstler zusammen. DJs aus Chicago, London und Berlin spielen Underground-Sounds aus Detroit ebenso wie dub-inspirierte Grooves und staubigen House (Eintritt 35 Euro).

Am Samstag und Sonntag öffnen außerdem zahlreiche Privatsammlungen in Berlin ihre Türen für Interessierte. Unter anderem zeigen die Kunsthistorikerin Anna Duque y Kleihues und der Architekt Jan Kleihues ihre private Sammlung, die sich an ihrem Bürostandort in einer ehemaligen, renovierten Müllverladestation von 1936 befindet (12. 9., 18-22 Uhr, ausgebucht).