Jorja Smith, Chelsea Wolfe, Weezer, Lotte: Die Alben der Woche im Soundcheck

Jeden Freitag stellen vier Musikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche in der Sendung „Soundcheck“ bei Radio eins vor. Diese Woche mit Platten von Jorja Smith, Chelsea Wolfe, Weezer und Lotte.
Jorja Smith: What Are The Odds (FAMM/Because Music)
Lange war Jorja Smith vor allem für soulige Balladen wie „Blue Lights“ bekannt, die ihr zum Karrierebeginn vor zehn Jahren direkt Amy-Winehouse-Vergleiche einbrachten. Aber die Britin hatte offenbar keine Lust aufs ständige Traurigsein: Schon auf ihrem zweiten Album experimentierte sie mit Club-Sounds, arbeitete für einen Track auch mit dem Produzenten P2J zusammen, der unter anderem an Beyoncés „Renaissance“ mitwirkte.
Jetzt haben die beiden gleich eine ganze Platte zusammen aufgenommen. Balladen lassen sich auf „What Are The Odds“ nicht mehr finden, stattdessen ein gut gelaunter Mix aus R’n’B, Funky House, Afrobeats und UK Garage – selbst die Trennungssongs sind trotzig statt traurig. Den Schmerz einfach wegtanzen, das scheint für Jorja Smith geklappt zu haben. Das neue Album inspiriert dazu, es ihr gleichzutun. Inga Barthels, Tagesspiegel
Chelsea Wolfe: The Dark (Loma Vista)
Der Gag liegt nahe, aber Angst hat vor Chelsea Wolfe hoffentlich niemand, denn abgesehen von ihrer eerie Bühnenperformance steckt hinter der Singer-Songwriterin aus Sacramento eine zurückgezogene wie brillante Musikerin und Vokalistin, was sie zu einem der unbekanntesten Superstars des Dark Folk macht. Vom europäischen Musikmarkt beinahe unbemerkt, veröffentlichte sie bisher sechs Alben; ihr siebtes, „The Dark“, ist ein dem Titel angemessen düsteres, aber melodiöses und hochkomplexes Meisterwerk, das das Potenzial hat, sie leider sehr, sehr berühmt zu machen. Ilona Hartmann, freie Autorin & Texterin
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Lotte: Lotte (Sony)
Die bisherigen Alben der Ravensburger Sängerin Lotte boten wenig Anlass, sie im Soundcheck zu besprechen, schien die Künstlerin doch vornehmlich eines jener Industriegewächse zu sein, denen kommerzieller Erfolg alles, künstlerischer Anspruch indes wenig bedeutet. Nun aber hat Lotte ein Album gemacht, von dem sie sagt, es enthalte die Musik, die sie eigentlich schon immer habe machen wollen, es sei quasi ihr zweites Debüt, weswegen das Album so heißt wie sie selbst.
Selbstbestimmt und losgelöst klingt Lotte hier tatsächlich in diesem frei oszillierenden Dreampop mit Anklängen an die Filmmusik der Siebzigerjahre. Vor der Produktion hat sie ihre Wohnung aufgegeben und ihre Möbel bei Freunden eingelagert. Fünf Städte – Berlin, Wien, Paris, London, Kopenhagen – und eine Trennung später nun also „Lotte“. Es geht um analoge Welten, den Wunsch nach Verbindung, natürlich um Freiheit; als Mensch, zuallererst aber: als Künstlerin. Torsten Groß, Moderator
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