Einkaufen mit dem Bundestrainer a. D.: Julian Nagelsmann und der Griff ins falsche Regal

Sie sind immer noch nicht ganz verschwunden. Die Menschen, die mit Trikots der deutschen Nationalmannschaft herumspazieren, fast so, als hätte Deutschland bei der desaströsen Fußball-WM mindestens das Halbfinale erreicht.

Aber nicht nur das. Auch sonst werden die deutschen Kicker im öffentlichen Raum noch beworben. Die großen Werbeplakate von Zalando, auf denen die Nationalspieler laut Claim „Sowas von ready“ sind, gibt es beispielsweise im Berliner Bahnhof Alexanderplatz immer noch zu betrachten.

Und auch Julian Nagelsmann, Bundestrainer a. D., bleibt Werbeträger bei der Schwarz Gruppe, zu der auch Lidl gehört. Das hat das Unternehmen dem Tagesspiegel mitgeteilt.

Das Engagement wirft die Frage auf, wofür Nagelsmann beim Einkauf stehen soll. Vielleicht dafür, wie es nicht geht, wie man genau ins falsche Regal greift? Oder mit welchen Zutaten der Brei garantiert verdorben wird?

Man könnte all die „Schland“-Überbleibsel als weiteres Scheitern der Bundesrepublik begreifen, die es nicht einmal hinbekommt, die Menschen nicht mehr an diese Schmach in den USA zu erinnern.

Womöglich ist dies aber zu kurz gegriffen, und die alte Floskel, dass Niederlagen stark machen, ist derzeit besonders en vogue. Genauso im Übrigen wie eine lässige Gleichgültigkeit gegenüber dem blanken sportlichen Ergebnis. Alles ein bisschen egal.

Vielleicht aber hat das Bekenntnis zur deutschen Nationalmannschaft einen ganz anderen Grund: Es sorgt im Lichte des Versagens für mehr Aufmerksamkeit, für mehr Blicke auf das Nationalmannschafts-Trikot oder die Werbung als je zuvor.

Gerade für Lidl ließen sich nun hübsche Werbekampagnen entwerfen, in denen Julian Nagelsmann weiter der Protagonist sein könnte: „Sie haben ihren Einkauf komplett versaut, mehrere Flaschen fallen lassen, verschimmeltes Obst eingekauft und beim Bezahlen die Kassiererin angemault, weil sie angeblich keine Ahnung von irgendwas hat? Egal, der nächste Einkauf kommt bestimmt!“