Wohin am Wochenende?: Sieben Tipps für Kurzentschlossene in Berlin
Es wird wohl sommerlich warm an diesem Wochenende. So langsam gehen die großen Konzerthäuser und Theater in die Sommerpause. Aber für Kurzentschlossene haben wir hier noch sechs Indoor-Kultur-Tipps, plus einen für draußen: Es gibt noch wenige Tickets für das Konzert der Pet Shop Boys am Samstag in der Waldbühne.
1 Marilyn Monroe wieder entdecken

© Zeughauskino/Promo
Wie bei allen jung gestorbenen Kino- oder Pop-Ikonen lädt auch der frühe Tod von Marilyn Monroe zu allerlei Spekulationen ein. Was hätte aus ihr werden können, wäre sie nicht 1962 im Alter von 36 Jahren an einer Medikamentenüberdosis gestorben?
Neil Tennant und Chris Lowe wissen, wie man Fans glücklich macht. Die beiden Briten, die seit über 40 Jahren als Pet Shop Boys firmieren und eine märchenhafte Karriere hingelegt haben, besuchen im Rahmen ihrer „Dreamworld: The Greatest Hits Live“-Tournee selbstverständlich auch Berlin.
Eine Stadt, in der sich das erfolgreichste Duo der britischen Pophistorie immer schon heimisch fühlte und in der beide Musiker zumindest zeitweise auch mal leben.
Doch so seligmachend das Best-of-Konzert unter freiem Himmel mit all den fantastischen Hymnen wie „It’s A Sin“, „West End Girls“, „Being Boring“ oder „Go West“ auch werden mag: Die echten Fans gehen noch in die Verlängerung und treffen sich bei den „Obskur Pet Shop Boys“-Auftritten (Huxleys Neue Welt, So/Mo 12./13.7., 19:15 Uhr).
Zwei Abende lang präsentieren Tennant und Lowe eine Setlist mit Albumtracks, B-Seiten und Fan-Favoriten. Die Kuschelkonzerte für Liebhaber sind leider schon ausverkauft, aber für das Familientreffen in der Waldbühne gibt es noch Karten.
Einen Ort in Berlin danach kann man wohl meiden. „Die Paris Bar – da gehen wir nicht mehr hin“, sagten die beiden Musiker im Tagesspiegel-Gespräch. „Wir wurden einmal von Paparazzi verfolgt, ich glaube, einer aus der Bar hat uns verpfiffen. Es war wirklich schrecklich.“ (wun)
3 Lesung im Sommerbad

© Şanlıurfa Museum, Yusuf Aslan
Als die Menschen sesshaft wurden, trugen Rituale und Feste zur Bekräftigung und Ordnung der Gemeinschaften bei. Steinerne Architekturen und Artefakte, die in den 1990ern in Göbeklitepe in der Türkei entdeckt wurden, zeugen auch Jahrtausende später davon.
Die Verbundenheit der Menschen untereinander, mit ihren Ahnen, mit den Tieren und mit der spirituellen Welt durchzog das Leben. Besonders faszinierend: die absolute Gleichheit ihrer Mitglieder. Es gibt keine Hinweise auf Hierarchien.
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Alle Aufgaben wurden wohl gemeinschaftlich gelöst: die Jagd, die Zubereitung des Essens, der Bau der Monumente, Skulpturen und auch der Artefakte. Das verbindende Thema der Ausstellung Gebaute Gemeinschaft. Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren ist deshalb: „Gemeinschaft“.
Wie diese aussah zu Beginn des Holozäns in Südwestasien, zeigt das Projekt des Vorderasiatischen Museums mit dem Archäologischen Museum in Şanlıurfa und der Universität Istanbul.
Neben charaktervollen Skulpturen und Rekonstruktionen vermitteln die Schwarz-Weiß-Bilder der spanischen Fotografin Isabel Muñoz, die auf den Grabungen nachts bei Fackellicht fotografiert hat, die magische Atmosphäre dieser bedeutenden Orte. Sie sind auch Zeugnisse einer tiefgreifenden Zeitenwende. (Tsp)
5 „Sabotage“ in der Schaubühne

© Ivan Kravtsov
Am Anfang fällt das schwere Wort: Völkermord. Ein sympathischer Mann um die Vierzig, Typ Großstädter, erzählt von seiner komplizierten jüdischen Familie und fragt sich, ob es möglich ist, dass Juden zu Tätern werden.
Was das bedeutet für seine Identität. Darüber will er jetzt, offenbar nach einer längeren Schaffenskrise, einen Dokumentarfilm drehen. Dimitrij Schaad eröffnet Yael Ronens Stück „Sabotage“ in einem mitreißend verhaspelten, nervösen Monolog.
Ein sympathischer Typ, der Jona Lubnik. Er lebt in Berlin, seine Frau ist eine hochgestellte Ärztin an der Charité mit glänzenden Aussichten – und lehnt das Filmprojekt ihres Mannes ab.
Zu gefährlich, das würde als antisemitisch verstanden und einen gewaltigen Shitstorm auslösen. Schlecht für die Kinder in der jüdischen Schule, schlecht für ihre Karriere. Das ist die Ausgangslage.
Diese Aufführung von Yael Ronen rast mitten hinein ins private Leben, in die Weltpolitik. Auf der spartanisch ausgestatteten, breit angelegten Bühne von Magda Willi, auf der mehrere Schauplätze wie Inseln nebeneinanderliegen, schraubt Jona an Ikea-Möbeln herum. Auch nicht gut für seine angespannten Nerven.
Letzte Gelegenheit vor der Sommerpause (ab Montag), noch mal gutes Theater zu sehen. (meh)
6 Goodbye Sadness, Hello Sadness

© Courtesy Friederich Kunath & Pace Gallery, Foto: Roman März
In der Bar „Va Bene“, die der Künstler Friedrich Kunath in seinem Atelier in LA installiert hat, steht zur Begrüßung „Goodbye Sadness“ in Neonlettern. Verabschiedet werden die Besucher:innen mit „Hello Sadness“, inspiriert vom Roman „Bonjour Tristesse“, den die 18-jährige Françoise Sagan 1954 veröffentlichte.
Die voll funktionsfähige Bar, die Kunath als eine soziale Skulptur betrachtet, hat seine Galerie Pace als Highlight für ihre Sommerausstellung „Goodbye Sadness, Hello Sadness“ mit Werken zwischen Hedonismus und Melancholie nach Berlin geholt.
Am Tresen könnten jene 50 Künstler:innen ihren Kummer hinunterspülen, denen die Pace jüngst die Zusammenarbeit gekündigt hat. Die kleine Berliner Dependance auf dem Gelände der historischen Tankstelle teilt sich Pace mit der Galerie Judin.
Dieses Arrangement könnte als Modell dafür dienen, wie der Kater infolge eines überhitzten Kunstmarktes mit individuelleren Lösungen auskuriert werden könnte.
Natürlich ist die Liste der Pace-Künstler weiter beeindruckend: Elmgreen & Dragset zeigen unter dem Titel „Aber ich bin doch auf der Gästeliste“ einen „VIP“-Eingang, der ins Nichts führt, Alicja Kwades kunstvoll geschnitzter Barhocker steht unbenutzbar in einer Vitrine, und Monica Bonvicinis Spiegel formt die Worte „Same Old Shit“. (ipa)
7 Die Welt in einem Sandkorn sehen