Zum Tod von Partyveranstalter Bob Young: Zeremonienmeister der Freiheit

Britney Spears kam nicht am Türsteher vorbei, weil er sie nicht erkannte. Geld hatte sie offenbar auch keins dabei. Ein anderes Mal flirtete George Clooney mit der Toilettenfrau, die ihm einen Kuss auf die Wange gab.

Solche Geschichten waren Gold für Berlins Ruf als aufregende Partystadt – und sie geistern immer noch durch das kollektive Nachtleben-Gedächtnis. Selbst wenn der Club, in dem sie sich zugetragen haben, schon längst abgerissen ist. An der Location des 90 Grad stehen jetzt die Neubauten neben dem Gleisdreieck.

Eröffnet wurde der Club, der in einer alten Autowerkstatt residierte, vier Wochen vor dem Mauerfall von Britt Kanja und Bob Young. Schnell entwickelte er sich zu einem Partyhotspot mit langen Schlangen vor dem Eingang und Promis im Publikum. Ende der Neunziger gab das Gründerpaar den Laden ab, der bis zum Abriss 2011 nicht mehr zu alter Blüte gelangte.

Die Idee einer Party am Sonntag war neu

Doch für Bob Young war die glamouröse Partyzeit noch längst nicht vorbei. Schon seit 1996 veranstaltete der aus Memphis/Tennessee stammende US-Amerikaner die sonntägliche Reihe GMF im Technoclub WMF, die zu einem starken Magneten für die schwule Ausgeh-Szene wurde. Das G stand für „gay“ und die Idee, am Sonntag eine Party anzubieten, füllte damals eine Marktlücke. Selbst Star-DJs wie Westbam oder Paul van Dyk hatten an diesem Tag Zeit, aufzulegen.

Zusammen mit dem WMF zog das GMF durch acht Locations, meistens in Mitte. Für viele war das Café Moskau mit seinem ostigen Vorsanierungscharme der beste Ort. Die beiden Dancefloors waren immer voll, die Stimmung ekstatisch.

Bob Young, der 1983 zum Studieren nach West-Berlin gekommen war und zunächst als Kellner gejobbt hatte, wuselte auf den Partys stets durch die Menge, begrüßte die Feiernden, trank und quatschte mit ihnen. Deutsch sprach er exzellent und mit genauso viel scharfem Witz wie seine Muttersprache.

Im GMF-Partygetümmel entdeckte er auch immer wieder neue Talente. Dazu gehörte unter anderem Dragqueen Barbie Breakout, die Young eines Nachts fragte, ob sie schon mal aufgelegt habe. Trotz relativ schmaler Vorkenntnisse sagte sie Ja und spielte 2004 ihr erstes Set im GMF, wie sie auf Instagram schreibt.

In einem an Bob Young gerichteten Erinnerungspost heißt es: „So viele DJs, Drag Queens und Performer haben ihre ersten Schritte bei einem deiner Events gemacht, so viele Freundschaften und Beziehungen starteten nur, weil man sich im GMF getroffen hatte.“

CSD-Allee vor dem Café Moskau

Young hat nicht nur zahlreiche Karrieren angeschoben, sondern auch maßgeblich dazu beigetragen, die queere Feierkultur zum Nachtleben-Pulsgeber Berlins zu machen. Was nicht zuletzt für die Community eine beglückende und bestärkende Erfahrung war. Wie Berlins Queerbeauftragter und einstiger GMF-Stammgast Alfonso Pantisano auf Instagram schreibt: „Er hat über Jahrzehnte Räume geschaffen, in denen Queers sich finden, ausprobieren, lieben und feiern konnten. Räume, in denen aus Scham Stolz werden durfte, aus Einsamkeit Gemeinschaft und aus einer Nacht eine Heimat wurde“.

Er war ein Zeremonienmeister der Nacht – und der Freiheit. Denn bei seinen Partys tanzte die Emanzipation ganz selbstverständlich mit. Die Ideen gingen Young dabei nie aus: Als Halloween hierzulande noch keine Bedeutung hatte, veranstaltete der Amerikaner an diesem Datum große Partys, zu denen die Gäste in teils aufwendiger Kostümierung kamen.

Bei einem CSD in den Nullerjahren gab es eine Kooperation zwischen dem GMF im Café Moskau und dem gegenüberliegenden Kino International. Die Karl-Marx-Allee wurde zur CSD-Allee, einer bunten Feierstraße nach der Demo.

Auch als Barbetreiber versuchte sich Young, allerdings weniger erfolgreich. In den letzten Jahren setzten ihm die Folgen eines schweren Fahrradunfalls zu. Im Kreis seiner Freund*innen zeigte er sich aber weiter voller Esprit und Feierfreude.

Wie am Wochenende bekannt wurde, ist Bob Young am vergangenen Donnerstag auf einem Berliner Golfplatz an einem Herzinfarkt gestorben. Er wurde 64 Jahre alt.