Dämonen-Thriller-Comic „Das Ritual“: Mit Menschlichkeit gegen den Monsterkult

Es ist nur ein kleiner Piks, doch die Folgen sind fatal. Wer einmal von den spitzen Zungen und Schnäbeln der Monstervögel gestochen wurde, wird selbst zum Monster und hat nicht mehr lange zu leben.

Der Nachtportier Jan stellt sich der Invasion der mörderischen Kreaturen entgegen. Als ein von übernatürlichen Wesen mit Superkräften geleiteter Monsterkult, der alle 107 Jahre ein blutiges Ritual veranstaltet, ausgerechnet sein Wohnhaus zur Opferstätte erklärt, nimmt er den Kampf auf und versucht, die Menschen zu retten, die ihm etwas bedeuten.

Virtuose Bilderfolgen

Der Plot des jetzt als Graphic Novel veröffentlichten Dämonen-Thrillers „Das Ritual“ greift auf vertraute Motive des Horror-Genres zurück. Geschrieben hat die Story der Autor Aaron Craemer. Dessen Drehbuch „Der Nachportier“ ist die Grundlage des Comics.

Doch die Art, wie der Berliner Comiczeichner Thomas Gronle alias Legron die Geschichte in Bilder umsetzt, ist originell und von einem ganz eigenen visuellen Stil geprägt. Gronle erweckt die Figuren darin mit virtuosen Bilderfolgen zum Leben, die meisterhaft unterschiedliche stilistische Einflüsse kombinieren,

Thomas Gronle-Legron, Aron Craemer: "Das Ritual"Nach dem Drehbuch „Der Nachtportier“ von Aron CraemerVerlag Edition 52Fotos: Thomas Gronle / Edition 52
Spitzohrige Schakale aus der ägyptischen Mythologie treffen in „Das Ritual“ auf Sagengestalten aus anderen Weltgegenden.

© PR/Thomas Gronle/Edition 52

Der Zeichner hat sich in den vergangenen Jahren als kommerzieller Illustrator mit stark stilisierten digitalen Bildern wie auch als Mitglied der Berliner Künstlergruppe Moga Mobo einen Namen gemacht. Die hat in den vergangenen rund 30 Jahren zahlreiche Gemeinschaftswerke veröffentlicht, meist in Form kostenlos verteilter, werbefinanzierter Gratis-Magazine, zu denen Gronle etliche kürzere Comics beigesteuert hat.  

Thomas Gronle-Legron, Aron Craemer: "Das Ritual"Nach dem Drehbuch „Der Nachtportier“ von Aron CraemerVerlag Edition 52Fotos: Thomas Gronle / Edition 52
Neben rasanter Action erzählt „Das Ritual“ auch von menschlichen Beziehungen wie der des Nachtportiers Jan zu seiner pflegebedürftigen Mutter.

© PR/Thomas Gronle/Edition 52

Der Plot ist packend und doch vielschichtig genug, um neben dem Überlebenskampf von Jan und den Menschen aus seinem Umfeld weitere Nebenhandlungen einzuflechten, die „Das Ritual“ zu einer auch emotional anrührenden Lektüre machen. Der Nachtportier, der das Herz am rechten Fleck hat, lebt zusammen mit seiner pflegebedürftigen Mutter in einem Hochhausblock in einem rauen Viertel einer nicht namentlich genannten Stadt. Seine Nachbarn sind Dealer und Schläger, fragwürdige Freunde und vernachlässigte Kinder.

Prekäre Verhältnisse, unerfüllte Träume

Thomas Gronle und Aaron Craemer nehmen sich zwischen den Actionszenen Zeit, den Alltag dieser Nebenfiguren zu beleuchten und in lebensnahen, pointierten Dialogen von prekären Verhältnissen, unerfüllten Träumen und kleinen Gesten der Menschlichkeit zu erzählen.

Das ist einfühlsam geschildert und immer wieder auch witzig. Zum Beispiel wenn ein zum Monologisieren neigender Drogenhändler über Halluzinogene und Türen zu anderen Welten schwadroniert, während vor seiner Tür die Monster seine Nachbarn nach und nach in andere Welten befördern.

Thomas Gronle-Legron, Aron Craemer: "Das Ritual"Nach dem Drehbuch „Der Nachtportier“ von Aron CraemerVerlag Edition 52Fotos: Thomas Gronle / Edition 52

Thomas Gronle beim Comic-Salon Erlangen 2026, wo „Das Ritual“ seine Premiere hatte.

© Lars von Törne

Besonderen Wert legt Gronle auf Soundwords, die oft Teil der Bildkomposition sind, sowie grafisch dargestellte Klänge: Musik und deren visuelle Darstellung spielen sowohl bei den Handlungen des Monsterkultes als auch bei der Beschreibung des Alltags der Figuren eine wichtige Rolle, immer wieder ziehen sich Notenlinien und gezeichnete Töne durch die Panelfolgen.