Ein zweites Katar soll es nicht geben: Der DFB wird sich bei der WM in den USA unpolitisch geben

Kaum war er da, musste er auch schon wieder weg. Aber natürlich hatte Rudi Völler einen guten Grund, das Quartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Herzogenaurach zu verlassen. Der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) kehrte am Mittwoch zu seinen Wurzeln zurück: an den Bieberer Berg in Offenbach, wo die Kickers ihren 125. Vereinsgeburtstag feierten und wo Völler seine Karriere als Profi begonnen hat.

Lange her das alles, fast ein halbes Jahrhundert, aber in eben diesen Zeiten ist der damals blutjunge Stürmer Völler erstmals mit den Folgen der Sportpolitik konfrontiert worden – als in der Bundesrepublik Deutschland heftig über einen Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau debattiert wurde.

Völler war nicht mal 20, aber schon damals habe er sich erlaubt, gegen einen Boykott zu sein. Und sich auch getraut, diese Meinung kundzutun. „Ich fand das damals schon falsch“, berichtete er. Geschadet habe der Boykott nur den Athleten. Gebracht habe es gar nichts.

Völler ist nicht nur seiner Frisur treu geblieben

Im Laufe eines langen Lebens verändern sich viele Meinungen und Einstellungen eines Menschen. Rudi Völler aber ist nicht nur seiner Frisur treu geblieben. Für ihn ist es immer noch so: Sport ist Sport, Politik Politik.

„Wir sind da, um eine Weltmeisterschaft zu spielen. Das geht vor“, sagte er am Mittwoch mit Blick auf die in drei Wochen beginnende Weltmeisterschaft. Das Turnier wird zu großen Teilen in den USA stattfinden, und die politische Situation dort ist unter Präsident Donald Trump, nun ja, herausfordernder, als man das bei der Vergabe des Turniers vermutet hätte.

An Themen für erbitterte politische Diskussionen besteht eigentlich kein Mangel. Für den DFB aber soll das kein Thema sein. Der Verband gibt sich explizit unpolitisch.

HERZOGENAURACH, GERMANY - MAY 27: Rudi Voeller Völler, Voller, Director A national team, Nationalteam Germany during the press conference, PK, Pressekonferenz to start the trainings camp of Germany to prepare for the FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball 2026 on May 27, 2026 in Herzogenaurach, Germany. Bavaria Germany Copyright: xSteffiexWunderlxDie Nationalmannschaft informiert sich zu Katar Die etwas andere WM-Vorbereitung

Exakt dort, wo Völler am Mittwoch auf dem Podium saß, hatten sich ein knappes halbes Jahr vor der WM in Katar auf Einladung des DFB Experten und Menschenrechtsvertreter eingefunden, um über das Emirat zu berichten. Vor ihnen saßen die Nationalspieler, dahinter die Medienvertreter. Besser lässt sich der Wandel innerhalb des Verbandes kaum illustrieren.

Sportlich endete die WM 2022 für die Deutschen in einem Debakel – und manche meinen, das habe auch daran gelegen, dass sich die Mannschaft nicht auf das Wesentliche konzentriert habe. Auf den Fußball nämlich.

Diesem Debakel hat letztlich auch Rudi Völler die Rückkehr zum DFB zu verdanken. Eine seiner ersten Entscheidungen nach Amtsantritt war, die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben auszusortieren, an der sich bei der WM in Katar so viel entzündet hatte. Seitdem trägt Deutschlands Spielführer auf Völlers Geheiß wieder das traditionelle Schwarz-Rot-Gold am Arm.

In der Theorie ist es bei der anstehenden Weltmeisterschaft keinem Spieler untersagt, sich zur Situation in den Vereinigten Staaten, zur Politik von Donald Trump oder zum Krieg des WM-Gastgebers USA gegen den WM-Teilnehmer Iran zu äußeren. „Bei uns gibt es keine Maulkörbe“, sagte Rudi Völler. „Wenn das einer machen möchte, kann er das gerne im Vorfeld tun. Ist bis jetzt nicht passiert, sollte jetzt auch nicht mehr passieren.“