Lohnt sich der neue „Polizeiruf 110“?: Juweliermord in Potsdams City
Alarm im Holländischen Viertel, in bester Potsdamer Innenstadtlage. Goldschmied Jan Michalski wird bei einem Raubüberfall getötet, die gerade erhaltene wertvolle Lieferung, eine historische Schmucksammlung aus dem nahegelegenen Potsdam Museum, ist verschwunden: „Polizeiruf 110: Goldraub“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).
Die Kommissare Vincent Ross (André Kaczmarczyk) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder) vom deutsch-polnischen Grenzkommissariat ermitteln, da der Verdacht im Raum steht, dass es sich bei den Tätern um eine professionelle polnische Bande handelt, deren Markenzeichen Clowns-Masken sind.
Schnell ist klar, dass auch einer der Angreifer im Juwelierladen durch einen Schuss verletzt worden sein muss. Und dass die Täter nicht aus der Clownsbande kommen, sondern dass diese nachgeahmt wurde.
Die Spur führt ins nahe Umfeld der Michalskis, in eine Motiv-Gemengelage aus Geldsorgen, Spielsucht und familiären Konflikten. Verdächtig sind Michalskis Frau Bettina (Deborah Kaufmann), eine Restauratorin, Sohn Nico (Jakob Fliess), dessen Ex-Freundin Romy, deren Bruder Dennis (Theo Trebs) und dessen Freund Matthi, einer der Räuber aus dem Juwelierladen, der wenig später tot in einer Kleingartenkolonie gefunden wird.
Nach 17 Jahren hatten die Redaktion und ich den Eindruck, dass unbedingt wieder eine Episode in der Landeshauptstadt spielen sollte.
Heike Streich, Produzentin des „Polizeiruf 110“
Ein imposantes Personenkarussell, was den Krimi abseits der Clownnummer seltsam unübersichtlich und bis zum gedehnten Showdown vorhersehbar fad zugleich macht.
Spannend in diesem „Polizeiruf“ bleibt der Part von Vincent Ross (André Kaczmarczyk), der seinen Kommissar mit Kajalstrich unterm Auge, kinky Netzhemd unter der Schussweste weiter recht divers gibt. Frei von einem klassischen Rollenverständnis, was einzigartig im deutschen TV-Krimi ist, einen interessanten, manchmal aber auch etwas überstrapazierten Kontrast zum rustikalen Kollegen Roskow und dem polnischen Kommissariat schafft.
Und schön auch, mal wieder Potsdam als Schauplatz im RBB-„Polizeiruf“ zu sehen, das erste Mal seit 17 Jahren: Holländisches Viertel, Babelsberger Villen, Alter Markt, Park Sanssouci und Potsdam Museum mit all den historischen Objekten aus Brandenburg, mit Goldschmuck und Goldmünzen, deren historischer Wert als Anreiz für Kunstdiebstähle den materiellen Wert oft weit übersteigt.
Postkartenmotive alleine machen aber leider noch keinen spannenden Krimi aus.