„Er formte eine poetische Sprache der Comics“: Mangazeichner Yoshiharu Tsuge mit 88 Jahren gestorben
Der Mangazeichner Yoshiharu Tsuge behandelte in seinen Kurzgeschichten grundlegende Fragen der menschlichen Existenz und wurde außerhalb Japans erst spät entdeckt. Jetzt ist der Künstler, dessen Werk auch die Grundlage von fünf Kinofilmen war, mit 88 Jahren gestorben, wie sein Berliner Verlag Reprodukt mitteilte. Nach Angaben der „Japan News“ starb er bereits am 3. März an den Folgen einer Lungenentzündung.
„Yoshiharu Tsuge berührt nicht nur durch die Wahl seiner Sujets – häufig stehen Außenseiter der Gesellschaft im Mittelpunkt seiner Geschichten –, sondern weil es ihm gelungen ist, eine poetische Sprache der Comics zu formen, die in ihrer Meisterschaft den herausragendsten Werken von Carl Barks oder Osamu Tezuka in nichts nachsteht“, erklärte Reprodukt-Verleger Dirk Rehm am Freitag.

© Reprodukt-Verlag
Besonders in der Kurzgeschichtensammlung „Rote Blüten“, die zwischen 1966 und 1973 veröffentlichte Arbeiten enthält, sei es Tsuge gelungen, „mittels dynamischer Seitenaufteilung, Anordnung der Bildelemente und Bewegung der Figuren Ausdruck und Atmosphäre zu schaffen, die in der mehr als hundertjährigen Geschichte der Comics kaum ihresgleichen findet.“
„Rote Blüten“ war 2019 der erste Tsuge-Band mit gezeichneten Kurzgeschichten, der auf Deutsch erschien, gefolgt von „Der nutzlose Mann“ und „Yoshios Jugend“. Tsuges Erzählungen „sind poetisch, still und gelegentlich mit einer Spur von magischem Realismus versetzt“, urteilte Barbara Buchholz 2020 in ihrer Rezension von „Der nutzlose Mann“.

© Reprodukt-Verlag
Lange Zeit war Tsuges Werk, das autobiografische und fiktionale Elemente verband, nur auf Japanisch erhältlich. Erst vor wenigen Jahren hat er Übersetzungen in andere Sprachen genehmigt, wie sein Berliner Verlag mitteilt.
„Yoshiharu Tsuge erneuerte den japanischen Comic, indem er Geschichten über das reale Leben einführte und sie mit wahrhaftigen Charakteren besetzte“, würdigt der Reprodukt-Verlag den Zeichner. „Mit seiner einzigartigen Stimme, die Selbstbeobachtung, Poesie und Mysterium vereint, gelangte er zu unerreichter Meisterschaft in der Sprache der Comics.“