Eine rundum glückliche Frau: Meredith Monk in Berlin

Staunen wie am ersten Tag. Lallen wie ein Neugeborenes, Summen wie ein Kind, Giggeln wie ein Mädchen. Den Kopf in den Nacken legen und sich in Ahs und Ohs über Bäume und Vögel ergehen. Das ist die eine Seite von Meredith Monks Musik: ein unbeschwert jauchzender Umgang mit den Wundern der Schöpfung, als würde der Heilige Franziskus noch einmal zu den Tieren predigen. Und sie, selbst mit 83 Jahren noch mit einer jugendlich anmutenden Unschuld gesegnet, mittendrin. Die andere Seite weiß aber sehr wohl, dass es nicht bei diesem ersten Tag bleibt, dass ihm ein zweiter, ein dritter, auch ein letzter folgen wird, der das Staunen auslöscht. Der Eintritt in die Fährnisse der Zeit bringt zwangsläufig Angst, Sorge und Leid mit sich.