Zum Tod von Chuck Norris: Die letzte Drehtür ist zugeschlagen

Vietnam-Veteranen, Ranger, Kampfsport-Experten – Männer, die es selbst auf einer friedlichen Wiese fertigbrächten, mit dem Kopf zuerst durch Wände zu rennen, auch wenn gar keine Wände da sind. Die Rollen, die Chuck Norris in seinen Glanzjahren spielte, hatten eine Menge gemeinsam. Vor allem zementierten sie den Ruf des Schauspielers und Karateweltmeisters als dieseltrinkende Menschmaschine, ließen ihn, zumindest in bestimmten testosteronreichen Kreisen zur Ikone werden.

Wie kein anderer stand Chuck Norris in seinen Rollen als Cordell Walker (der „Texas Ranger“), als J. J. McQuade (ebenfalls ein Veteran und Ranger) oder auch als Special-Forces-Anführer Scott McCoy für ein Männlichkeitsideal aus Stahl: unzerstörbar, mit moralingesättigtem Maschinenöl als Blut, am Bauch sechs kugelsichere Zylinder statt des klassischen Sixpacks. Alles das natürlich im Dienste der Rechtschaffenheit – ehrenhaft, stoisch, überlegen. Auch ultrakonservativ und moralisch unangreifbar, wie Norris selbst.

Neue Fahrt nahm der Promistatus des 1940 in Oklahoma Geborenen dann im Internetzeitalter und lange nach seiner schauspielerischen Hochphase auf, als nicht nur Nutzer in den sozialen Medien das Witzpotential von Chuck-Norris-Memes erkannten. Auch Chuck Norris selbst nahm, wenn auch nach anfänglichem Zögern, wie ein wahrer Aikido-Meister, die ihm entgegenrollende, oft gerade gegen das Männlichkeitsideal, für das er stand, gerichtete Spottlawine auf.

Skandale mieden ihn aus Angst

Er bewies Selbstironie und wurde so zu einer wichtigen Stimme im Kanon des Abgesangs auf ein rostig gewordenes Männerbild. Und das, obwohl Norris bekanntlich alles andere als progressiv dachte, was nicht zuletzt in seiner Trump-Unterstützung, seinem unbedingten Einsatz für das Waffenrecht oder gegen die Ehe für alle offenbar wurde.

Die Zeit wartet auf niemanden. Außer auf Chuck Norris

Chuck-Norris-Witz

Dennoch fand Chuck Norris sich niemals inmitten eines Skandals wieder – angeblich, weil Skandale ihn schlicht aus Angst mieden. Und so konnte er, dem kein Widerspruch je Angst hätte machen können, schneller stehen, als irgendwer rennen konnte. Beim Meditieren zählte er zweimal bis unendlich und schlug, als er anschließend den Raum verließ, eine Drehtür(!) zu. Eine irreführende Lesart solcher „Chuck-Norris-Facts“ versteht sie als Witze – dabei war der Humor für Chuck Norris schon immer eine todernste Angelegenheit.

Angeblich ist Chuck Norris nun im Alter von 86 Jahren gestorben. Wer weiß, ob nicht in Wahrheit nur der Tod gerade eine Nah-Norris-Erfahrung macht – um bald wieder umzukehren, wenn er erstmal begriffen hat, was da auf ihn zukommt. Wie heißt es noch so schön in einem der bekanntesten Chuck-Norris-Facts: Chuck Norris zieht sich niemals zurück – er greift nur in entgegengesetzter Richtung an.