Nach 65 Jahren wieder für echt erklärt: Amsterdams Rijksmuseum hat einen neuen Rembrandt
Für das Amsterdamer Rijksmuseum zeichnete sich die Sensation bereits in den vergangenen zwei Jahren hinter den Kulissen ab. Von Mittwoch an kann sie auch in den Ausstellungsräumen selbst bewundert werden. Das größte Museum der Niederlande präsentiert dann einen neuen Rembrandt, der natürlich ein alter ist. „Die Vision des Zacharias im Tempel“ galt bis zu seiner Aberkennung 1960 als ein Werk des Meisters, seitdem war es aus der Öffentlichkeit verschwunden. Nach 65 Jahren ist es nun rehabilitiert wieder zu sehen.
Sogar die Jahreszahl 1633 ist jetzt abgesichert
Nachdem das Gemälde von einem Privatsammler dem Rijksmuseum als Dauerleihgabe angeboten worden war, untersuchten es die Forscher des Hauses nach neuesten Methoden, die zuletzt auch bei Rembrandts „Nachtwache“ eingesetzt wurden. Und siehe da, auch der Vergleich mit anderen Bildern der Frühphase des damals 27-jährigen Rembrandt brachte zutage, dass es anders als über ein halbes Jahrhundert zuvor doch als authentisch zu gelten hat und nicht als Werkstattarbeit. Sogar die genannte Jahreszahl 1633 ließ sich mit Hilfe dendrochronologischer Untersuchungen als korrekt nachweisen.

© Rijksmuseum/Kelly Schenk
Materialanalysen, stilistische und thematische Ähnlichkeiten, überhaupt die Qualität des Werks und schließlich die originale Signatur des Künstlers lassen als gesichert erscheinen, dass nach der Schmälerung des Oeuvres durch das Rembrandt Research Project auf nur noch 350 Bilder wieder ein Aufwuchs zu verzeichnen ist. Zu den prominentesten Aberkennungen hatte damals der Berliner „Mann mit dem Goldhelm“ gehört.
Es ist wunderbar, dass die Menschen nun mehr über den jungen Rembrandt erfahren können.
Taco Dibbets, Direktor des Rijksmuseums
Das Research Project urteilte in vielen Fällen streng und hatte damit Kritik auf sich gezogen. Willem van de Wetering, der zum engsten Kreis der Forscher gehörte, revidierte im Nachhinein selbst einige Einschätzungen. Die Bereinigung des Werks war allerdings ein wichtiger Schritt, denn bis Anfang des 20. Jahrhunderts hatte es eine allzu optimistische Zuschreibungspraxis gegeben.
© Rijksmuseum/Kelly Schenk
Darauf ist eine biblische Szene im Tempel zu sehen: der Moment, in dem der Hohepriester Zacharias von Erzengel Gabriel aufgesucht wird. Der göttliche Bote teilt ihm mit, dass er und seine Frau trotz ihres hohen Alters einen Sohn bekommen werden: Johannes, den Täufer. Der Engel selbst ist auf dem Bild nicht zu sehen, nur ein strahlendes Licht in der oberen rechten Ecke verweist auf seine Ankunft. In Zacharias‘ Gesicht zeichnet sich Ungläubigkeit über sein Erscheinen ab.