Zur Zukunft des Berliner ICC: Kongresszentrum sollte wieder Kongresszentrum sein
Das Vergabeverfahren zur privatwirtschaftlichen Neunutzung des ICC kann man bereits jetzt als gescheitert betrachten. Ein Kunst- und Kulturzentrum kann weder die Sanierungskosten noch den Aufwand für die laufende Bewirtschaftung refinanzieren. Es würde für Berlin bald wieder zum Klotz am Bein werden.
Auch inhaltlich ist es kein sinnvolles Ziel, denn Berlin hat ja keinen Mangel an Kunst- und Kulturangeboten. Denen sollte durch einen neuen Großstandort nicht unnötig Wasser abgegraben werden.
Was der bundesdeutschen Hauptstadt aber fehlt, ist genau das: ein großes, repräsentatives Internationales Kongresszentrum in zentraler Stadtlage. Es ist schon etwas peinlich, dass in unserer Hauptstadt Großkongresse nur im privat betriebenen ECC in unscheinbarer Randlage stattfinden können.
Statt weitere Zeit und Kosten für eine Fehlinvestition aufzuwenden, sollte Berlin beim Bund dafür werben, die Übernahme oder eine kooperative Neubelebung und Nutzung des ICC zu prüfen. Ja, das wird einigen öffentlichen Aufwand für Sanierung und Betrieb mit sich bringen, aber es kann auch neue, derzeit fehlende wirtschaftliche und politische Impulse für die Bundeshauptstadt bringen. Franziska Eichstädt-Bohlig, Berlin-Charlottenburg