Yeah Yeah Yeahs, Björk, Ozzy Osbourne, Gaddafi Gals: Die Alben der Woche im Soundcheck

Yeah Yeah Yeahs: Cool It Down (Secretly Canadian)
Beinahe zehn Jahre hatten die Yeah Yeah Yeahs keine neue Musik mehr veröffentlicht, nun zitieren sie auf einem im Wesentlichen elegisch gehaltenen Synthie-Album Frankie Valli, The Velvet Underground, Duran Duran und die legendäre New Yorker Undergroundband ESG. Es geht um eine Welt im Taumel, um die Klimakatastrophe, die Verheerungen der Trump-Jahre und darum, wie man als ehemals coolste Gang der Stadt jenseits der 40 in Würde weitermachen kann. Torsten Groß, Moderator

Björk: Fossora (One Little Indian)
Ab und zu gibt es Alben, die missverstanden in die Gegenwart starten und Jahrzehnte später als Klassiker erkannt werden. Das elfte Album der großen Universalkünstlerin Björk könnte ein solcher Kandidat sein. Denn obwohl „Fossora“ auf ein starkes Narrativ über Erdverbundenheit und weibliche Prinzipien aufbaut, wirken die 13 Stücke eher wie ein hermetisches Kunsthörspiel, dem der Begleitfilm fehlt. Björk spielt mit Islandfolklore, freiförmigen Melodien und gesampelten Stimmen, ohne dabei zu allzu vielen Ergebnissen zu kommen, die über atmosphärischen Schönklang hinausgehen. Eigen, aber doch zu artig. Joachim Hentschel, Süddeutsche Zeitung

Ozzy Osbourne: Patient Number 9 (Sony)
Es könnte das Abschiedswerk des ewigen Madman des Heavy Metal sein – und als solches ist es kein schlechtes. Der Pop-Produzent Andrew Watt hat ihm zum zweiten Mal ein stimmiges Album auf den Leib geschrieben, das durch engagiert aufspielende Musiker wie Chad Smith, Duff McKagan, Rob Trujillo oder Taylor Hawkins in seiner letzten Studioaufnahme mit Leben gefüllt wird, und durch Gastgitarristen wie Jeff Beck, Eric Clapton oder seinen alten Black-Sabbath-Buddy Tony Iommi zusätzliche Texturen erhält. Ozzy Osbourne selbst wirkt darin zwar nur noch wie ein Puzzleteil, seine Stimme bleibt aber charismatisch und trägt vor allem die Streicher-wattierten Balladen mit ihren Beatles-Harmonien – denn in Wahrheit ist der „Prince Of Darkness“ der König der Powerballade. Toby Schaper, Radio Fritz

Gaddafi Gals: „Romeo must die“ (3-Headed Monster Posse/ The Orchard)
Der Titel des zweiten Albums der Gaddafi Gals ist eine Anspielung auf den 2000 erschienenen gleichnamigen Actionfilm mit R’n’B-Ikone Aaliyah in der Hauptrolle. Die Ästhetik dieser Ära findet sich nicht nur auf dem Cover wieder, sie zieht sich durch das ganze Album des Berliner Trios: Retro-Synthesizerklänge mischen sich mit Popmelodien und R’n’B-Gesängen. Mit Titeln wie „Bye Bye“, in dessen Musikvideo die drei von oben in ein Grab schauen, oder „Chainsaw“ beschleicht einen das Gefühl, dass es hier weniger um Shakespeare als um den Tod des Patriarchats gehen könnte. Jana Weiss, Tagesspiegel

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