Verpflanzt: Textile Arbeiten von Pegah Keshmirshekan
Ihren ersten Auftritt in der Galerie Under The Mango Tree (Merseburger Str. 14, bis 8.8.) hatte Pegah Keshmirshekan mit klassischen Blumenstillleben. Es waren üppig drapierte Sträuße auf Leinwand. Zwei davon hängen auch in ihrer aktuellen Ausstellung, doch die ungetrübte Schönheit, die solche Leinwandbilder sonst verbreiten, will sich bei der in London und Berlin lebenden Künstlerin nicht einstellen: Ihre floralen Arrangements erzählen Geschichten über Migration, Entwurzelung und eine imaginierte Heimat.
Keshmirshekan, Jahrgang 1996, hat in Berlin an der Universität der Künste studiert. Bei Josephine Pryde, die linearen Erzählungen misstraut und Gegenbilder schafft. Ihre ehemalige, 2023 mit dem Schulz-Stübner-Preis ausgezeichnete Studentin geht ähnlich konzeptuell vor. Bloß verbreiten ihre Motive zugleich so viel Lust und Sinnlichkeit, dass man sich kurzzeitig zwischen den Blüten und Blätterm in Keshmirshekans Universum verliert.
Botanische Schätze
„What Remains in Place“ heißt die Soloschau mit dem zentralen Motiv der Kaiserkrone: Eine prächtige Blume, die ursprünglich in den Zagros-Bergen und damit sowohl in Iran und Irak wie auch in der Türkei wächst. Sie verbindet die Regionen – und erinnert Pegah Keshmirshekan, die seit langem nicht mehr nach Hause reisen kann, zugleich ständig an die Distanz zwischen sich und ihrer iranischen Heimat.

© Foto: Pegah Keshmirshekan/Galerie Under the Mango Tree
Die Kaiserkrone, auf Persisch Laleh-ye Vajgun, wurde früh importiert und ist so lange schon in deutschen Gärten präsent, dass kaum mehr jemand über ihre Herkunft nachdenkt. Dabei zählt sie, je nach Perspektive, als Migrantin oder botanischer Schatz, den sich andere Kulturen angeeignet haben. Sie dominiert auch die Ausstellung, immer noch auf Leinwand. Doch die Künstlerin verwendet das textile Gewebe nun als Arbeitsmaterial, färbt und zerschneidet den Stoff, um ihn anschließend zu Wandbildern zusammenzunähen.
Wunderbare Textilarbeiten
Das Ergebnis sind teils extreme Quer- und Hochformate, deren Motive erst wie ein abstraktes Dickicht wirken. Dann erkennt man lanzettförmige Blätter oder hängende Blütenkelche. Als Basis ihrer Recherchen dienten Keshmirshekan hiesige Archive, in denen sich Pflanzenteile als Herbarien erhalten haben. Fragmente, die einst illegal gepflückt wurden und von der Künstlerin in ihrer wunderbaren Textilarbeit nach eigenen Vorstellungen wieder zusammenfügt werden. Eine Art der Reparatur, auch der eigenen Seele, die zwischen den Kulturen zu zerreißen droht und nach Heilung ruft.