Start der Paralympics in Verona: Die politischen Spiele sind eröffnet
Es sollte der Auftakt historischer Spiele sein: Die Winter Paralympics in Italien feiern ihr 50-jähriges Jubiläum, mit einer Eröffnungsfeier im Amphitheater von Verona. Zuschauende sahen jedoch vor allem eines: eine Inszenierung, die über die tiefen Kluften in der Sportwelt hinwegtäuschen sollte.
Schon im Vorfeld wurde klar, diese Spiele sind politisch. Russlands Auftritt bei der Feier mit zwei Athlet:innen symbolisierte nur zu wörtlich den Einmarsch der Nationen. „Willkommen in einer Welt, in der die Macht des Stärkeren sich zunehmend auf einem Siegeszug befindet“, heißt es im Livestream der ARD. Bereits im Vorfeld entbrannte viel Kritik daran, dass sechs russische Athlet:innen und vier aus Belarus wieder unter eigener Flagge bei den Paralympics antreten dürfen.
Die Ukraine sparte sich diese öffentliche Demütigung und nahm gar nicht an der Eröffnung teil. Lediglich zwei Fahnenträger symbolisierten das Land bei der Zeremonie, der Jubel des Publikums wurde so laut, dass es nur vom späteren Applaus beim Einmarsch des Gastgebers Italien übertroffen wurde. Die Ukraine verteidigt sich seit vier Jahren gegen die russische Invasion. Im Vorfeld rief es andere Länder dazu auf, sich seinem Boykott anzuschließen. Tschechien, Finnland, Polen und weitere drei Länder folgten.

Tanja Kunesch betreut das Nachwuchsprojekt Paralympics Zeitung und hätte sich mehr Haltung und weniger Farce von der Eröffnung gewünscht.
Mit dieser Haltung ist der DBS allerdings nicht allein: Nur 28 von 55 Länder nehmen überhaupt an der Eröffnungsfeier teil. Von den restlichen 27 Ländern haben jedoch nur sieben angegeben, dass sie sie „aus politischen Gründen“ boykottieren, wie das IPC mitteilte.
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Gerade den Athlet:innen wird dadurch eine einmalige Erfahrung genommen, die sie sich durch viele Entbehrungen erkämpft haben. Ihre Chance, endlich auf der weltweit größten Sportbühne sichtbar zu werden. „Das ist wie eine Geburtstagsfeier ohne Geburtstagskind. Also es geht einfach gar nicht und dann kann ich es gleich komplett sein lassen“, sagte Gerd Schönfelder, einer der bekanntesten ehemaligen Para Ski alpin Fahrer dem Bayrischen Rundfunk.
Wie so eine paralympische Gemeinschaft entstehen soll, „barrierefrei und frei von Politik“, wie der Präsident des IPC Andrew Parson in seiner Rede nochmal betonte, bleibt unklar. Das inszenierte Spektakel scheitert an seinem eigenen Anspruch. Wenn Haltung nur in Worten und nicht in Taten gemessen wird, bleibt sie eine Farce. Und lässt gerade die Menschen, die so sehr um Sichtbarkeit kämpfen und sie verdient haben, wieder einmal in den Hintergrund rücken.