Mehr Trash, mehr Welt, mehr Gegenwart: So will Matthias Lilienthal die Volksbühne neu aufstellen

Berlin verändert sich. Matthias Lilienthal bleibt sich treu. Wer den neuen Intendanten der Volksbühne in den Tagen vor der Saisoneröffnung trifft, erlebt einen Theatermacher im signaturhaften Jeans-und-T-Shirt-Look, der gut gelaunt zwischen Provokationslust und Gesellschaftsbetrachtung, Understatement und Ambition, Ironie und Direktheit balanciert.

So hat er sich im Grunde auf all seinen bisherigen Stationen präsentiert. Als prägender Dramaturg der Castorf-Volksbühne in den 90er-Jahren. Als Gründer des Theaterkombinats HAU Hebbel am Ufer. Als anfangs heftig angefeindeter und später doch noch gefeierter Intendant der Münchner Kammerspiele. Überall zwischen Beirut und Berlin.

Jetzt ist der gebürtige Neuköllner zurück in Berlin-Mitte. Dort, wo er seinem 30-jährigen, präpotenten „Ich“ mit dem volleren Haar wiederbegegnet, wie er selbst in einem Interview scherzte. „Und diese Wiederbegegnung verliere ich natürlich“, fügt er im holzgetäfelten Intendanzbüro amüsiert hinzu.

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Das Aufstellen eines großen Schwimmbeckens vor der Volksbühne sorgte für kontroverse Diskussionen.

© dpa/Soeren Stache

Nicht alles, was Lilienthal vorhat, wird schon in der ersten Spielzeit sichtbar. „Zum Beispiel wollten wir unbedingt mit dem polnischen Regisseur Łukasz Twarkowski arbeiten. Das kriegen wir erst im Herbst 2029 hin“, erzählt er. Christopher Rüping, der in der ersten Spielzeit ein Stück von Sivan Ben Yishai inszeniert, wird in der kommenden Saison eine Zwölf-Stunden-Produktion zeigen – mit der hätte Lilienthal seine Volksbühnen-Intendanz am liebsten schon eröffnet.

Bloß nicht zu klein denken. Begriffe wie „Scheitern“ oder „Fehler“ sind für Lilienthal dabei keine Kategorien: „Lieber fahre ich mal zwei Produktionen so richtig gegen die Wand, als immer darüber nachzudenken, was ich falsch machen könnte.“