Kinostarts der Woche: Nicht genug Platz im goldenen Käfig, Pamela?

Vielleicht ist es die Inflation, die dafür sorgt, dass wir derzeit besonders schadenfreudig reichen Leuten beim Leiden zusehen. Jedenfalls scheint der Trend zur bitterbösen Reichen-Satire nach Filmen wie „Triangle of Sadness“, „Saltburn“ oder „Veni vidi vici“ nicht abzuflachen.

Und jetzt gibt’s Nachschub: „Rosebush Pruning“, „Die reichste Frau der Welt“ und „Babystar“ leuchten unterschiedliche Schattierungen der Wohlstandsverwahrlosung aus, von Old-Money bis Influencer-Familien.

1 Rosebush Pruning

Was für eine schrecklich schöne Familie. Vier erwachsene Kinder, die durch die Räume ihrer Villa nahe Barcelona schreiten, als wären sie gerade auf dem Weg zum Laufsteg.

Ein Vater, der auch noch Wert auf die teuersten Handtaschen und Uhren legt, als er schon erblindet ist. Und eine Mutter, deren nacktes Marmorabbild inmitten des abgeschiedenen Luxusdomizils daran erinnert, dass Erotik eine Kategorie ist, die im Patriarchat alles überdauert.

Als Expertin für dieses Thema hat der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Aïnouz Pamela Anderson als Mutter gecastet, die – so die Version des Patriarchen – eines Tages im Wald von einem Rudel Wölfe zerfleischt wurde.

Der älteste Bruder Jack (Jamie Bell) will sich dieser Existenz nicht mehr fügen. Er hat sich in Martha (Elle Fanning) verliebt, plant eine Zukunft mit ihr. Seine Geschwister sehen rot, Blut wird zum Leitmotiv, und nicht nur der schöne Rosenbusch im Garten zum Opfer eines pervertierten Machtapparats der Privilegierten.

Aïnouz erzählt allegorisch, angefangen bei den hungrigen Wölfen bis hin zu den inzestuösen Wünschen und Praktiken, die „Rosebush Pruning“ trotz des Star-Aufgebots für das amerikanische Mainstream-Publikum disqualifizieren dürften.

„Es geht mir nicht darum, zu schockieren, sondern darum, Menschen zu beschreiben“, sagt der Drehbuchautor Efthimis Filippou. Es geht beides gleichzeitig in diesem Fiebertraum von einem Film, in dem sich die Dekadenz abwechselnd aus Ekel und Schönheit speist. (Claudia Reinhard)

2 Michael

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Marianne Farrère, Chefin eines Kosmetikimperiums, verfügt über so viel Geld, dass sie ihrem Enkel zum 18. Geburtstag eine Milliarde Euro schenkt.

Sie schwebt mit maliziöser Überheblichkeit über allen Dingen, verteilt spitze Boshaftigkeiten in ihrem Umfeld, wobei sie weder ihren Ehemann Guy (André Marcon) noch ihre Tochter Frédérique (Marina Foïs) oder deren jüdischen Ehemann Jean-Marc (Mathieu Demy) ausspart.

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Es ist eine Rolle, ganz zugeschnitten auf eine bestens aufgelegte Isabelle Huppert. Guy hat eine Nazi-Vergangenheit, was in der Öffentlichkeit einen Skandal auslöst. Familienintern sorgt das Auftauchen des Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) für Aufsehen, der Marianne in puncto unverblümter Unverschämtheiten ebenbürtig ist.

Er ist zwar schwul, umgarnt sie aber, sie macht ihm teure Geschenke, bis Frédérique juristische Schritte gegen den Erbschleicher einleitet.

Thierry Klifas bitterböse Superreichensatire, inspiriert vom wahren Fall der L’Oréal-Erbin Bettencourt, ist ein treffendes Zeitbild über eine Klasse, in der Geld jede Moral ausgehöhlt hat. (Andreas Busche)

4 Babystar

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Mit 20 Jahren fährt der Marokkaner Nour für ein besseres Leben übers Meer nach Frankreich und bleibt in der Hafenstadt Marseille hängen. Doch was dieses „bessere Leben“ sein soll, weiß er selbst nicht so genau.

Zu Hause ließ Nour den Tischlereibetrieb der Familie und seine Freundin zurück. In Marseille erlebt er das erste Mal trotz prekärer Verhältnisse eine kurze Zeit der Leichtigkeit.

Saïd Hamichs Film begleitet Nour zehn Jahre lang, von seinem Leben in der Emigranten-Community als Kleinkrimineller, über ein unkonventionelles Arrangement mit einer libertinären französischen Familie und neue Verantwortung bis zur Auseinandersetzung mit seinen Wurzeln und Schuldgefühlen.

Visuell schafft es Hamich, die Momente von Verlorensein und Geborgenheit zu transportieren, aber die Dramaturgie ist unausgewogen, und die Dialoge haben die Qualität einer Soap.

Dass der Film, der in den 1990ern spielt, für Nichtfranzosen zu wenig Hintergrund über die gesellschaftlichen Veränderungen seitdem bietet, ist ein weiteres Manko. (Ingolf Patz)

6 Pferd am Stiel – Ein Hobby-Horsing-Abenteuer

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