Hape Kerkelings „Horst Schlämmer sucht das Glück“: Schätzelein, du sollst nicht traurig sein
Er ist wieder da. Horst Schlämmer, das schlimmste Schreckgespenst aus dem Figurenkabinett des Komikers Hape Kerkeling. Mit seiner Lautstärke, den gelben Hauern, dem Gegrunze, der Plauze und dem ollen Trenchcoat ist der Mann der reinste Bad-Taste-Terrorist.
Sein Posten als stellvertretender Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ macht aus ihm einen sentimentalen Westentaschen-Borat, um als humoristische Bezugsgröße eine andere legendäre Journalisten-Flitzpiepe zu erwähnen, der der Komiker Sasha Baron Cohen in zwei Kinofilmen Gestalt verliehen hat.
Vor mehr als 20 Jahren hat sich Hape Kerkeling Schlämmer als Karikatur eines übergriffigen Journalisten-Chauvis mit Alkoholproblem ausgedacht, um ihn 2009 in „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“ erstmals zu Kinoehren zu führen. Seither hat der piefige Schätzelein-Unhold, der als alter weißer Mann eine hartnäckige Fanbase besitzt, wenig bis nichts hinzugelernt.
Auch die digitale Transformation hat Horst Schlämmer am Tresen von Günnis Kneipe „Der Wilddieb“ verschlafen. Sonst würde er die Arbeit der Social-Media-Kamerafrau Anna (Laura Thomas), die in der Online-Redaktion seiner Zeitung beschäftigt ist, wohl kaum in Gänsefüßchen setzen, wenn er davon erzählt. Auch seine Reaktion, als er das Wort „Influencer“ hört, spricht Bände: „Influenza? Wir hatten doch gerade Corona!“
Die Pandemie ist auch der Anlass für seine titelstiftende Aktion „Horst Schlämmer sucht das Glück“. Genauer gesagt, dass der „Wilddieb“, der Schlämmers Wohnzimmer ist, nach der Pandemie schließen muss. Und dass alle Leute seit Corona eine Dauerflappe ziehen, also die Stimmung in Deutschland im Keller ist.
Angestachelt von einer Wette mit Günni macht sich Schlämmer kreuz und quer im Land auf Glückssuche. Begleitet von Kamerafrau Anna, die nie im Bild ist, aber Schlämmer als Anspielwurst dient und dessen Chauvi-Sprüche kommentiert.
Offensichtlich haben Hape Kerkeling, Drehbuchautor Claudius Pläging und Regisseur Sven Unterwaldt, der zuvor humoristisch robuste Otto-Waalkes-Komödien inszeniert hat, durchaus bemerkt, dass die Welt 2026 eine andere ist. Die Lösung, eine unsichtbare junge Frau als Korrektiv in Sachen politische Korrektheit einzusetzen, ist allerdings so wohlfeil, dass es einen ärgert.

© Sandra Hoever/Leonine
Dass der Horst Schlämmer trotz seines gelegentlichen Hangs zu Zoten ein ganz Lieber ist, ja sogar eine naive Narrenfigur, das merken seine Zufallsbekanntschaften wie die Domina-Schaffnerin Mandy (Meltem Kaplan) sofort.
Selbst eine Gang Berliner Dealer mit Migrationshintergrund, die auf das von ihm verwandte Wort „Clan“ verschnupft reagiert, lässt sich von Schlämmers Heimatfilm-Begeisterung erweichen. „Mit Gabi Wampel-Filmen habe ich Deutsch gelernt“, entfährt es dem Boss, bevor er mit Schlämmer den Werner Richard Heymann-Klassiker „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ trällert.