Generationswechsel in Prenzlauer Berg: Das Ausgehen übernehmen jetzt die Kinder

Man konnte das schon im Sommer gut auf der Marienburgerstraße beobachten: Scharen von Menschen auf dem Bürgersteig, vor dem „Sorsi e Morsi“, am frühen Abend, von jungen Menschen, um präziser zu sein, um die 18, 20, 22 Jahre herum.

Keine Abiturklassen, die hier Abi feierten, keine Geburtstagsgruppen, sondern alltägliche Zusammenkünfte vor und in einem Hot Spot des Nachtlebens im Winskiez, der früher vor allem von erschöpften Prenzlauer-Berg-Eltern frequentiert wurde, die hier nachts in Ruhe trinken und rauchen wollten.

Selbst im „Weinberg“

Doch scheint es nicht nur im „Sorsi e Morsi“ einen Generationswechsel zu geben, sondern in den meisten Läden der Umgebung. Auch vor dem „Kaffe“ in der Immanuelkirchstraße, einem Laden, wie er mit seinem durcheinander gewürfelten Wohnzimmermobiliar direkt aus den Hamburger oder Berliner Neunzigerjahren importiert sein könnte, tummeln sich mehr und mehr junge Menschen, Teenager. Ähnlich geht es im „Godshot“ direkt gegenüber zu, ebenfalls Immanuelkirchstraße, und selbst im „Weinberg“ an der Ecke Winsstraße.

Das mag daran liegen, dass die jugendlichen Bar- und Tresenkräfte ihre Freunde und Freundinnen anziehen, wie beispielsweise im Godshot der Fall; vor allem aber damit, dass die vielen Kleinen von früher jetzt alle im ausgehfähigen Alter sind und nicht mehr auf der „Marie“ (Spielplatz) oder vor den Späties herumlungern müssen.

Die Alten sind lieber zuhause

Die Alten leben ihre neuen Erschöpfungen (Kinder zwar groß, aber das Alter!) jetzt öfter lieber zuhause aus als mit Bier und Zigaretten auswärts, und ihre Kinder übernehmen die Läden. Zumal Prenzlauer Berg für eine mittlere, Familien gründende Generation nicht mehr interessant zu sein scheint, wenn man die „Suchen-noch-Kinder“-Zettel an diversen Kitas als Maßstab nimmt

Der Lauf des Lebens, der Gang der Dinge. Irritationen gibt es in den genannten Läden keine; interessanterweise auch nicht dort, wo diese Jugend auf das ganz alte Berlin trifft: im „Übereck“ in der Prenzlauer Allee, im „Engel“ in der Danzigerstraße, im „Babel“ in der Käthe-Niederkirch. Hier passiert es höchstens, dass die Bedienung acht neue, sehr jugendliche Gäste zählt, aber nur sieben Bestellungen registriert und also mit bösem Blick mahnend auch die achte aufnehmen möchte.