Feuerwerkskörper und Jagdszenen im Stadion: Schwere Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel Dresden gegen Hertha

Das Zweitligaspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC ist am Samstagabend von schweren Ausschreitungen überschattet worden. Die Begegnung musste gleich zweimal unterbrochen werden. Zunächst bereits kurz nach dem Anpfiff, später wegen eines massiven Angriffs von Fans auf dem Spielfeld.

Erst nach rund 20 Minuten Pause konnte die Partie beim Stand von 0:0 fortgesetzt werden, Hertha gewann am Ende durch ein Eigentor des Dresdners Alexander Rossipal in der 80. Minute trotz Unterzahl nach einer Roten Karte für Josip Brekalo mit 1:0. Torwart Tjark Ernst verhinderte kurz vor dem Treffer mit einem gehaltenen Elfmeter die Dynamo-Führung.

Schon in den ersten Minuten hatten beide Fanlager großflächig Pyrotechnik gezündet. Aus dem Berliner Gästeblock war dichter blau-weißer Rauch aufgestiegen, während Dresdner Anhänger hinter dem Ultrablock außerhalb des Stadions ein Feuerwerk abbrannten. Aufgrund der eingeschränkten Sicht stellte Schiedsrichter Sven Jablonski die Begegnung nach drei Minuten erstmals vorübergehend ein.

Die Lage eskalierte schließlich in der 19. Minute. Zunächst war im Hertha-Block ein lauter Knall zu hören, anschließend sprangen sowohl Dresdner als auch Berliner Anhänger über die Zäune. Mehrere Dynamo-Fans liefen quer über das Spielfeld in Richtung des Gästeblocks. Jablonski unterbrach das Spiel sofort und schickte beide Mannschaften in die Kabinen.

Polizisten versuchten, die auf den Platz gelangten Dresdner Anhänger zurück in ihren Block zu drängen. Insgesamt mehr als 100 Beamte stellten sich in zwei Reihen in der Dynamo-Hälfte auf, mit Blick auf den Ultrablock. Die Stimmung im Rudolf-Harbig-Stadion war zu diesem Zeitpunkt stark aufgeheizt. Der gelbgesperrte Dresdner Kapitän Stefan Kutschke versuchte unterdessen, zu vermitteln und auf die Ränge einzuwirken.

Nach rund 20 Minuten zogen die Einsatzkräfte vom Rasen ab. Der Stadionsprecher kündigte an, dass die Partie fortgesetzt werde, was dann auch geschah.

Ein Grund für die Ausschreitungen könnte auch eine entwendete Fahne gewesen sein. Dresdens Finanz-Geschäftsführer Stephan Zimmermann erklärte bei RTL, es sei „wohl eine Fahne vom Gastverein weggegangen“.

Herthas Geschäftsführer Peter Görlich sagte in der Halbzeitpause bei Sky, ein solcher Fahnenklau sei aus Sicht des Klubs der Auslöser dafür gewesen, dass Berliner Anhänger den Innenraum hätten stürmen wollen. Ob es sich dabei um eine zentrale Zaunfahne der Hertha-Ultras handelte, blieb jedoch weiterhin unklar.

Im Dresdner Block war während der Unterbrechung jedoch zu sehen, wie eine Hertha-Fahne verbrannt wurde. Gesänge wie „Haha, wo ist eure Fahne hin…“ bestätigten dies offenbar. In der Ultra-Kultur gilt das Erbeuten gegnerischer Fahnen als schwerwiegende Provokation und führt häufig zu weiterer Eskalation.

Vorgeschichte aus dem Hinspiel

Dresdens Sport-Geschäftsführer Sören Gonther zeigte sich erschüttert. „Wir stehen da alle so ein bisschen unter Schock, weil wir Fußball spielen wollen und nichts anderes“, sagte er bei Sky. Eine Bewertung des Polizeieinsatzes wollte er nicht vornehmen: „Ob die Polizei zu spät eingegriffen hat, kann ich nicht beurteilen. Aber sie waren ja dann trotzdem rechtzeitig mit viel Präsenz drin.“

Zimmermann sprach von Bildern, „die man nicht sehen will“ und verwies auf einen seit Wochen laufenden Austausch mit der Politik über Sicherheitsfragen.

Die aktuellen Feindseligkeiten zwischen beiden Fangruppen haben eine Vorgeschichte. Bereits vor dem Hinspiel am 1. November 2025 hatten die Dynamo-Ultras öffentlich gegen die Begrenzung des Gästekontingents protestiert und zur massenhaften Anreise nach Berlin aufgerufen.

Eine nächtliche Aktion an der Hertha-Geschäftsstelle, bei der ein Vereinsgraffiti übersprüht wurde, sorgte damals für zusätzliche Spannungen. Die Berliner Fan­szene reagierte während des Spiels im Olympiastadion mit einem großen Spruchband in der Ostkurve: „Ob Karten, Levi’s, Westfernsehen oder doch die DDR zurück: Irgendwas wollt ihr immer!“

Nach der Unterbrechung konnte das Spiel zwar fortgesetzt werden, doch das sportliche Geschehen geriet angesichts der Ausschreitungen in den Hintergrund. Polizei und Ordner blieben während der Fortsetzung im verstärkten Einsatz rund um die Blöcke. Viele Hertha-Fans verzichten allerdings auf weiteren Support und verließen das Stadion.