Die Art Week als Pulsmesser der Kunststadt: Schriller, schöner, lauter denn je

Vielleicht wurden deshalb die Regler mehr aufgedreht und die Beats noch drängender bei der Eröffnung der Berlin Art Week am Mittwochabend auf dem Kulturforum: Weil da eine heimliche Angst über dem größten Kunstfestival der Hauptstadt lag. Nach vier Tagen Feiern, Flanieren, Kunstgenießen haben sich die Sorgen zwar nicht verflüchtigt, aber der Erfolg der 15. Ausgabe, die am heutigen Sonntag endet, dürfte auch jene Politiker nachdenklich machen, die die Art Week nicht weiter finanzieren wollen.

Mit viel Geschick konnte die Kulturprojekte GmbH ihr am weitesten ausstrahlendes Event in diesem Jahr noch retten. Aus dem Berliner Doppelhaushalt 2026/27 ist das Festival bereits herausgefallen. Durch die Auflösung von Rücklagen im Landeshaushalt kam die Jubiläumsausgabe dennoch zustande. 125 Veranstalter – Museen, Sammlungen, Galerien, Projekträume – drängten sich im Programm, dazu fand im Tempelhofer Hangar wieder die Kunstmesse „Positions“ statt.

2022 mit ihren gerade mal elf Akteuren, hätte wohl niemand gedacht, dass die Art Week ein Erfolgsprojekt werden würde, das wie das Berliner Gallery Weekend inzwischen in anderen Städten Nachahmer findet. Damals sollte das Festival die nach der Absage der Kunstmesse ABC im Kulturprogramm entstandene Leerstelle füllen. Um den bisherigen Saisonauftakt nicht ausfallen zu lassen, fanden überraschend Kultur- und Wirtschaftsverwaltung zusammen. Beide stellten Mittel bereit, um den Kunstplayern der Stadt Sichtbarkeit zu verleihen. Denn es ging um viel: Berlin als Ort des Kunstmarkts, der Produktion und der Ausstellungen. Daran hat sich nichts geändert.

Die Art Week wurde zu einem Gradmesser für das Berliner Ökosystem der Kunst. Plötzlich steht er selbst zur Disposition. Wie peinlich ein Ende der Art Week für Berlin wäre, lässt sich ahnen. Dabei hat eine Studie gerade erst ergeben, dass 1 Euro, der in die Kultur investiert wird, das Dreieinhalbfache in die öffentlichen Kassen zurückspült. Bei Festivals verstärkt sich der Effekt durch die Dichte an Events sogar noch. Die Bündelung schafft noch größere Aufmerksamkeit und Reichweite.