Sally Rooney und ihr Einsatz für „Palestine Action“: Meinungsfreiheit und Terror unterscheiden sich sehr

Es war ein großer Aufschlag, der Ende letzter Woche zugunsten der irischen Bestsellerautorin Sally Rooney im „New Statesman“ gemacht wurde, einem britischen Wochenmagazin für Politik und Kultur.

Das Who-is-Who der angloamerikanischen Literatur, von der Literaturnobelpreisträgerin Anne Carson über Julian Barnes und Colm Tóibín bis hin zu Zadie Smith, insgesamt über 150 Autoren und Autorinnen, hatte dort einen offenen Brief unterzeichnet, der mit den Worten beginnt: „Sally Rooney ist eine Schriftstellerin, keine Terroristin. Ihre Bücher müssen der Öffentlichkeit zugänglich sein.“

Und weiter: „Ihre Rücknahme aus dem Verkauf auf der Grundlage einer unüberlegten und drakonischen Anti-Terror-Gesetzgebung ist ein Affront gegen die Grundprinzipien der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit, die in diesem Land seit langem als selbstverständlich gelten.“ Von „Zensur“ und einer „repressiven Absurdität“ ist in dem kurzen Brief dann noch die Rede.

Auch Kneecap und die Young Fathers unterzeichneten den offenen Brief

Der Grund für diesen dramatischen, im Übrigen auch von einschlägig israelfeindlichen Musikern wie Kneecap oder den Young Fathers unterzeichneten Appell: Weil die Schriftstellerin seit Jahren die in Großbritannien als Terrororganisation eingestufte propalästinensische Gruppierung „Palestine Action“ unterstützt, hatte Rooneys Verlag Faber mit „vollständiger Zustimmung von Sally“ beschlossen, ihre Bücher in Großbritannien nicht mehr auszuliefern, dazu gehören Erfolgsromane wie „Intermezzo“ oder „Normal People“.

„Die derzeitige Gesetzgebung im Vereinigten Königreich hat zu einer Situation geführt, in der Faber die im Vereinigten Königreich erzielten Einnahmen aus Sally Rooneys Werken nicht an sie weiterleiten kann“, so der Verlag in einer Mitteilung. „Die Werke einer Autorin zu verkaufen, ohne die Einnahmen weitergeben zu können, ist für einen Verlag eine unzumutbare Situation.“

Nun darf man sich allein über den Zeitpunkt wundern, an dem Sally Rooney und ihr Verlag diesen publikumswirksamen Rückzug vom britischen Markt verkündet haben. Denn „Palestine Action“ ist schon seit dem 5. Juli des vergangenen Jahres von der britischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft und verboten worden.