Sylvester Stallone über Steroide, Panikattacken und Bulimie: „Ich habe meinen Körper missbraucht“
Er war als Schauspieler und Drehbuchautor völlig unbekannt und zudem komplett pleite, als er sich 1974 von New York nach Hollywood aufmachte. Dort habe er umgehend mit Klinkenputzen angefangen und von einem Casting-Direktor sofort eine Abfuhr bekommen.
„Sie nuscheln, Sie haben nicht das richtige Erscheinungsbild, Ihr Mund ist schief – ernsthaft, vergeuden Sie nicht Ihre Zeit“, schildert Sylvester Stallone in seiner jetzt auch in Deutschland veröffentlichten Autobiografie „The Steps: Die Geschichte meines Lebens“ (Verlag C. Bertelsmann).
Stallone (80), der mit Blockbusterreihen wie „Rocky“ und „Rambo“ zum Hollywood-Star aufstieg, packt in dem Buch überraschend offen über Traumata, Ängste und Selbstzweifel aus. Dem Image des starken Action-Helden stehen herzzerreißende Schilderungen einer schwierigen Kindheit und häufige Geringschätzungen gegenüber.
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„Wie ein Irrer“ habe er die Story des kaputten Boxers, der sich wieder nach oben kämpft, in wenigen Tagen zu Papier gebracht, schildert Stallone. Auch konnte er damals die Produzenten bei United Artists zum Kauf des Skripts überzeugen. Doch dann seine Forderung: „Ich möchte den Rocky spielen.“
Keiner wollte den Neuling mit einer leichten Gesichtslähmung und Sprachstörung als Darsteller. Er blieb eisern und bekam am Ende die Rolle. Wie Rocky habe er um seine Würde und seinen Stolz geboxt, beschreibt Stallone das Tauziehen in Hollywood.
Hürden und Beharrlichkeit
Für Cineasten ist „The Steps“ eine spannende Lektüre über Hürden und Beharrlichkeit auf dem Weg nach Hollywood. Doch Stallones Erinnerungen gehen weit über eine klassische Erfolgsstory hinaus. Es ist seine schonungslose Lebensgeschichte, Widrigkeiten mit Willenskraft und dem Glauben an sich selbst zu überwinden.
Seinen zähen Kampfgeist führt Stallone auf eine harte Kindheit und Jugend zurück. Es beginnt bei der Geburt am 6. Juli 1946, in einer New Yorker Sozialklinik für arme Familien – eine Zangengeburt, von der er einen „schiefen Mund“ und dauerhafte Sprechschäden davongetragen habe.
Traumatische Erlebnisse
Die Eltern steckten ihn zeitweise in ein Internat für schwierige Jugendliche. Stallone beschreibt ein traumatisches Erlebnis, als er zur Strafe in eine als „Schlangengrube“ gefürchtete, geschlossene Abteilung gesperrt und dort von Insassen körperlich angegriffen wurde. Man habe aber seinen Willen nicht brechen können, betont er. Diese Erfahrungen hätten ihn nur stärker gemacht.

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Mit Blick auf Teile seiner Karriere sagte er: „Ich habe meinen Körper missbraucht.“ Er habe neun Rücken- und zwei Schulteroperationen sowie mehrere Eingriffe an der Halswirbelsäule gehabt. Heute sei er zwar noch einigermaßen in Form, aber er nehme eine Menge Tabletten, um dranzubleiben, so Stallone.
In jüngeren Jahren habe er auch an Bulimie gelitten. Beim Dreh zu „Rocky III“ sei sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent gesunken, und er habe nichts bei sich behalten können. Stallone, der damals in seinen Dreißigern war, nannte es eine „zwanghafte Körperanbetung“. Niemand könne das ohne Hilfsmittel und Drogen – man müsse Steroide nehmen.
Stallone, der mit 80 Jahren weiter für die Mafia-Serie „Tulsa King“ vor der Kamera steht, widmet „The Steps“ seiner Ehefrau Jennifer Flavin und den drei gemeinsamen Töchtern Sophia, Sistine und Scarlet. Im Nachwort des Buches sinniert der Star, dass er und auch viele andere sich mit der Geschichte von Rocky Balboa eng verbunden fühlen: „Es geht schlicht darum, nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird.“ (dpa/Tsp)