Satire auf Trump und Verschwörungsmythen: Neues Lucky-Luke-Album nimmt religiöse Geschäftemacher ins Visier

Das Westernstädtchen Faith befindet sich im Bann eines durchtriebenen Predigers. Vor seiner kirchlichen Karriere saß er wegen Raubes im Gefängnis, dann entdeckte er die Religion als Einnahmequelle. In der Hoffnung auf göttlichen Beistand füllen seitdem die Bürger des 400-Seelen-Ortes den Safe von Reverend Watine mit Dollars. Als Lucky Luke den Pastor vor einem Räuberduo rettet, erklärt der den selbstlosen Cowboy kurzerhand zum Heiligen, um die Popularität seiner Kirche noch zu steigern.

Der neue Lucky-Luke-Band 103 „Heiliger Lucky!“.
Erlöser wider Willen: eine Szene aus dem Lucky-Luke-Album „Heiliger Lucky!“.

© Lucky Comics © 2026/Story House Egmont

Das ist der Auftakt des neuen Albums einer der erfolgreichsten Comicreihen Europas. An diesem Dienstag kommt „Heiliger Lucky!“ mit einer deutschen Startauflage von über 140.000 Exemplaren in den Handel, wie der Berliner Egmont-Verlag mitteilt. Eine Auflage, die höchstens die alle zwei Jahre erscheinenden neuen „Asterix“-Alben übertreffen.

Zeichnerisch und erzählerisch folgt der Band dem bewährten Muster der Reihe, die vor 80 Jahren von dem Belgier Maurice de Bevere alias Morris geschaffen wurde und in den 1960er und 70er Jahren mit den Szenarien des „Asterix“-Autoren René Goscinny ihre Blütezeit erlebte. Goscinny starb 1977, Morris 2001. Seitdem zeichnet der Franzose Hervé Darmenton alias Achdé die Lucky-Luke-Alben im Stil ihres Schöpfers weiter. Für die Szenarien und Dialoge ist seit rund zehn Jahren der Franzose Julien Lucien Berjeaut alias Jul zuständig.

Der Plot von „Heiliger Lucky!“ ist wie bei den Alben der als Western-Persiflage angelegten Reihe üblich ein Gemisch aus vertrauten Wild-West-Motiven und satirischen Elementen, die sich an vielen Stellen als aktuelle politische, soziale oder kulturelle Kommentare lesen lassen.

Der neue Lucky-Luke-Band 103 „Heiliger Lucky!“.
Achdé / Alex Jakubowski: „Wanted – Ein Zeichner für Lucky Luke”, Egmont, 144 Seiten, 35 Euro.

© PR/Egmont

„Ich habe mich oft gefragt: Wie hätte er diese oder jene Szene gezeichnet?“, sagt Achdé im Buch über seine Anfänge als Zeichner der Traditionsreihe. „Auch heute noch ist er irgendwie in meinem Atelier präsent.“ Inzwischen sei aber seine Selbstständigkeit gewachsen: „Ich glaube, Morris spukt immer seltener in meinem Atelier, um mir über die Schulter zu schauen und zu sehen, ob ich zu viele Fehler mache! Ich hoffe aber, er hat immer noch Vertrauen in mich.“

Auffällige Parallelen zu „Das Leben des Brian“

Erzählerisch kann „Heiliger Lucky!“ allerdings nur teilweise überzeugen. So manche interessante Idee führt Jul nur oberflächlich aus. Mehrere Szenenwechsel und vor allem das etwas unvermittelte Ende wirken zu abrupt. Dazu kommt, dass einem beim Lesen mehrere zentrale Handlungselemente sehr bekannt vorkommen.

Der neue Lucky-Luke-Band 103 „Heiliger Lucky!“.

Achdé (links) und Jul waren Ende Oktober in Berlin zu Besuch.

© IMAGO/Funke Foto Services/Maurizio Gambarini via imago-ima

Dem kommerziellen Erfolg von „Heiliger Lucky!“ dürfte das keinen Abbruch tun. Es steht, dank vieler Vorbestellungen, bereits Tage vor dem Verkaufsstart auf der Comic-Bestellerliste bei Amazon auf einem der oberen Plätze. Acht Jahrzehnte nach seinem ersten Ritt durch die Prärie Ende 1946 hat sich Lucky Luke als millionenschweres Geschäftsmodell etabliert.

Bild sind aus dem neuen Lucky-Luke-Album 103 „Heiliger Lucky“ von Achdé und JulCredit © Lucky Comics 2026/Story House Egmont
In Berlin ist derzeit die Jubiläumsausstellung „Lucky Luke – Morris’ einsamer Westernheld“ mit zahlreichen Originalzeichnungen im Museum für Kommunikation zu sehen.

© dpa/Britta Pedersen

Viele der dabei entstandenen Alben wie „Der Mann, der Lucky Luke erschoss“ und „Wanted“ von Mathieu Bonhomme, „Die Ungezähmten“ von Blutch oder „Dakota 1880“ von Brüno und Appollo zeigen mit realistischeren, teilweise düsteren Szenarien, welches Potenzial in dieser Reihe und ihren Figuren steckt – wenn man sich aus den strengen Vorgaben des etablierten Formats löst.