Comic Invasion Berlin fällt 2027 aus: „Das ging immer mehr an unsere Substanz“

Seit 2011 ist das Festival Comic Invasion Berlin stetig gewachsen. Hier konnte man originelle Neuerscheinungen aus aller Welt entdecken, Zeichnerinnen und Zeichnern bei der Arbeit über die Schulter schauen und bei Workshops selbst zum Stift greifen.

Jedes Frühjahr kamen Tausende Besucherinnen und Besucher zu dem Festival – zuletzt am 9. und 10. Mai 2026. Veranstaltungsort war erneut das Museum für Kommunikation Berlin, wo die Comic Invasion seit einigen Jahren eine feste Heimat hatte. Mehr als 80 internationale Comic-Schaffende, Verlage und Gruppen präsentierten hier ihre Veröffentlichungen. Dazu kamen zahlreiche Satellitenveranstaltungen rund um das Wochenende an anderen Orten.

Doch trotz des großen Zuspruchs von Comicschaffenden und Fans wird das Festival, das von verschiedenen öffentlichen Stellen, Kulturinstitutionen und Partnern gefördert und unterstützt wurde, im kommenden Jahr ausfallen. Das gab das Organisationsteam am Sonntag bekannt. „Wir haben nach langer und ausführlicher interner Diskussion beschlossen, 2027 ein Festival-Pausenjahr einzulegen“, heißt es in der Mitteilung der Gruppe um Festivaldirektorin Lara Keilbart.

Festival Comic Invasion Berlin im Museum für Kommunikation Quelle: Comic Invasion / Museum für Kommunikation /Knickerbocker Photography
Seit einigen Jahren fand die Comic Invasion im Museum für Kommunikation Berlin statt.

© Comic Invasion / Museum für Kommunikation /Knickerbocker Photography

Die Entscheidung ist offenbar auch eine Folge des Erfolgs der Comic Invasion, die vor 15 Jahren als Independent-Veranstaltung in einem kleinen Atelierladen in Kreuzberg unter dem Titel „Comics über Berlin“ gestartet war. Seitdem ist das Festival zu einem festen Termin im Kalender vieler Comicfans nicht nur aus Berlin geworden.

„Grundsätzliche Fragen über den Charakter unseres Festivals“

Das weitgehend ehrenamtlich arbeitende, zuletzt aus 13 Personen bestehende Festivalteam freue sich einerseits, dass das Event immer bekannter geworden und stetig gewachsen ist, heißt es in der Erklärung. „Für uns als Team bedeutet das aber auch einiges an Mehrarbeit.“ Trotzdem habe man weitergemacht „und jedes Jahr ein Festival durchgezogen – das ging immer mehr an unsere Substanz“.

Dazu komme, dass sich aus dem Wachstum „grundsätzliche Fragen über den Charakter und die Ausrichtung unseres Festivals“ ergeben hätten. „Diese lassen sich aber im jährlichen Festivalorganisationsbetrieb nicht mit der Ruhe und Tiefe bearbeiten und entscheiden, die nötig wäre.“

Das festivalfreie Jahr 2027 will das Organisationsteam nun nutzen, „um unsere Energiebatterien aufzuladen und all die Dinge zu unternehmen, die wir die letzten Jahre haben schleifen lassen“. Zum anderen soll ein Konzept für die kommenden Jahre erarbeitet werden. Dabei stünden unter anderem diese Fragen im Zentrum: „Wie groß wollen wir sein? Für wen wollen wir das Festival primär machen? Wie gehen wir mit dem Thema Drittmittel und Sponsoring von großen Firmen um?“

Vom Land Berlin wurde das Festival 2026 nach Angaben von Direktorin Keilbart mit 123.100 Euro im Rahmen der spartenoffenen Förderung für Festivals und Reihen unterstützt. Das Team war „zuversichtlich, dass wir auch für 2027 eine ausreichende Fördersumme erhalten hätten“. Allerdings habe der Modus der jährlichen beziehungsweise zweijährigen Förderung „indirekt dazu beigetragen, da es für uns als Team grundsätzlich eine gewisse Unsicherheit und fehlende Planungssicherheit bedeutet hat“.

Festival Comic Invasion Berlin im Museum für Kommunikation Quelle: Comic Invasion / Museum für Kommunikation /Knickerbocker PhotographyWie ein Cowboy zur Comiclegende wurde Museum für Kommunikation zeigt bislang größte Lucky-Luke-Ausstellung in Deutschland Graphic Novel nach dem Bestseller „Nachts im Kanzleramt“ Politik-Grundkurs mit Marietta Slomka als Comicfigur

Lesen Sie jetzt auch:

Einzelne Elemente des Festivals sollen allerdings auch 2027 nicht ganz ausfallen, heißt es weiter in der Erklärung des Organisationsteams. So soll es den populären Wettbewerb für Nachwuchs-Zeichnerinnen und -Zeichner auch im kommenden Jahr geben. Und das Comic-Invasion-Team will im Herbst 2027 wie in den vergangenen Jahren beim Graphic Novel Day des Internationalen Literaturfestivals Berlin wieder eine „Artist Alley“ organisieren, auf der Berliner Comicschaffende ihre Werke präsentieren können.

Ein „fulminantes Wiedersehen“ soll es dann im Jahr darauf geben, „wenn die Comic Invasion Berlin wie ein Phönix aus der Asche aufersteht“, wie es am Ende der Erklärung zuversichtlich heißt.