Blasse Sonne, kalter Mond: Fotos von Arno Schidlowski in der Alfred Ehrhardt Stiftung

Jasmund – das klingt nach großartigen Impressionen vom Kreidefelsen oder dem Blick auf das blaue Endlosbild der Ostsee. Doch dann kommt Arno Schidlowski und bietet dem Betrachter seiner sehenswerten Fotografien etwas ganz anderes an. Die analogen, aufwändig in der eigenen Dunkelkammer entwickelten Aufnahmen wirken verschwommen, wie überbelichtet und oft aus seltsamer Nahsicht. Schidlowski, der die Halbinsel Rügen zwischen 2005 und 2011 immer wieder besucht hat, scheint so gar nicht daran interessiert, die gewohnt erhabenen Panoramen zu liefern.

Dabei kennt der Fotograf, Jahrgang 1975, die visuell bis zum Überdruss ausgereizten Motive jener einzigartigen Landschaft nur zu gut. Gerade deshalb sieht seine Serie „Jasmund“ von allem ab, was einem die Sicht verkleben könnte. Der Fotograf hat sich nicht nur intensiv mit der realen Landschaft auseinandergesetzt, sondern ebenso mit dem eigenen Blick auf Szenerien mit Sonne, Mond und Meer. Wie funktioniert das Sehen, welchen Einfluss hat die romantische Tradition und was ist Klischee?

Vom Wind gebeugt

Was er in der Alfred Ehrhardt Stiftung zeigt, sind in gewisser Hinsicht introspektive Bilder. Im Versuch, das Wesentliche zu kondensieren, liefert Schidlowski eigenwillig fragmentierte Perspektiven: stille, oft verfremdet wirkende Blicke auf das vermeintlich Vertraute. Der Fotograf lässt die Sonne über dem Wasser blass und kalt aussehen. Der Kreidefelsen glänzt silbrig in einem Licht, von dem man nicht weiß, ob es Tag, Dämmerung oder doch Nacht ist.

Aus der kontemplativen Beschäftigung mit der Natur resultiert auch die zweite ausgestellte Werkserie „Der Sonne Mond“. Sie entstand nach „Jasmund“ von 2011 bis 2013 und bildet einen visuellen Gegenpol zu den farblich oft überbordenden Aufnahmen von Rügen. Bei „Der Sonne Mond“ geht es um die Wirkung von Licht und Schatten, eine Abstraktion naturhafter Strukturen und eine angedeutete mediterrane Landschaft, die Schidlowski auf das klare Schwarz-Weiß seiner Barytabzüge reduziert. Das verbindet ihn mit Alfred Ehrhardt, der sich am Bauhaus von Oskar Schlemmer und Josef Albers den neusachlichen Blick nahebringen ließ.