Bryan Adams, Rocker mit sanfter Seele: Diese Konzerte in Berlin sollten Sie nicht verpassen
Außerdem für Sie aus dem herbstlichen Konzertangebot ausgewählt: eine britische Naturbelauscherin, eine irische Vierfingervirtuosin, eine australische Slackrockerin, das Comeback einer Soul-Sirene und ein britischer Cantautore. Das sind unsere Konzertempfehlungen für die kommende Woche.
1 Bryan Adams

© IMAGO/Arlyn McAdorey
Für den Auftritt von Bryan Adams in Berlins größter Konzerthalle gibt es nur noch solche Karten, die bei vielen Acts als erstes ausverkauft sind.
Doch die Stehplätze im Innenraum, wo man dem Star am nächsten kommt, sind für Adams’ in der Mehrzahl nicht mehr jugendliche Fans eben nicht so attraktiv wie bequeme Sitzplätze, auf denen sich ein zweistündiges Set mit den größten Hits des 66-jährigen Kanadiers beschwerdefrei genießen lässt.
Und Hits, Welthits gar, hat Bryan Adams einige in seiner fast 50 Jahre überspannenden Karriere gehabt. Zum Beispiel 1991 die epische Powerballade „(Everything I Do) I Do It for You“ aus dem Kevin-Costner-Film „Robin Hood: Prince of Thieves“, die 16 Wochen in Folge auf Platz 1 der britischen Charts stand – ein bis heute gültiger Rekord.
Oder „All For Love“ zwei Jahre später, das unwahrscheinliche Team-up dreier Superstars – Adams, Sting und Rod Stewart –, natürlich auch eine Ballade, mit der abermals ein Hollywood-Blockbuster, die Neuauflage von „Die drei Musketiere“, ans zeitgenössische Popgeschehen angekoppelt wurde.
Bryan Adams war in den Neunzigern auf dem Höhepunkt seines Ruhms und als „King of Soundtrack Ballads“ („Cash Box“) ähnlich omnipräsent wie im Jahrzehnt davor Phil Collins.
Wie viele Weltkarrieren begann auch die von Bryan Adams bescheiden. Geboren 1959 in Kingston, Ontario, zog er mit seinen im diplomatischen Dienst beschäftigten Eltern durch die Weltgeschichte, ehe er in Vancouver erste musikalische Gehversuche unternahm. Seine Debütsingle aus dem Jahr 1978 war eine ulkige Disco-Nummer, bei der Adams’ Gesang künstlich hochgepitcht wurde.
Mit seinem dritten Soloalbum „Cuts Like a Knife“ hatte Bryan Adams 1983 seine Rolle als radiofreundlicher Softrocker mit sanfter Seele und Reibeisenstimme gefunden, die er ein Jahr später auf dem Millionenseller „Reckless“ perfektionierte. Der enthielt auch seinen Signature Song „Summer of ‘69“, auf dem er im Sound einem seiner Helden, Bruce Springsteen, so nah kam wie nie wieder danach.
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© Trinity/Promo
Noch mehr als auf den ebenfalls vom Belauschen der Natur inspirierten Vorgängern taucht die Londoner Songwriterin und Multiinstrumentalistin Laura Misch auf ihrem fünften Album „Lithic“ in die Klangwunderwelten von Mutter Erde ein.
Aufgenommen in Höhlen und Steinbrüchen sowie diversen Studios in England, Griechenland und Berlin, changiert Mischs fragiler Art-Pop zwischen Folk, Jazz und elektronischen Ambient-Sounds.
Mit Saxofon und Stimme spürt die 33-Jährige geologischen Prozessen der Erdgeschichte nach. Klingt nicht halb so esoterisch, wie es sich liest!
3 Wallis Bird

© Lindsey Burnes
Mehr als ein „solide“ wollte Radioeins-Experte Andreas Müller „Creatures of Habit“, dem neuen Album von Courtney Barnett, nicht zugestehen. Vielleicht ein etwas zu mürrisches Urteil für die „große australische Hoffnung des Indie-Rock“ (Müller), die nach zwei allseits gefeierten Platten ein wenig vom Pfad abgekommen war.
Mehr als auf den letzten Veröffentlichungen dockt Barnett wieder an den Slacker-Rock der Neunziger an, der schon ihr Frühwerk inspiriert hatte. Und mit Songs wie „Wonder“ oder „Mantis“ beweist die 38-Jährige, dass sie ihr Gespür für mitreißende Indie-Hymnen wiederentdeckt hat.
5 Jill Scott

Warum, wäre eine Untersuchung wert. Die Zuordnung zum Neo-Soul war seinerzeit in einem von R’n’B und Hip-Hop dominierten Markt sicher nicht hilfreich und zudem irreführend, vereinte die Sängerin aus Philadelphia in ihrem brodelnden Stilgemisch doch Einflüsse von Jazz, Gospel und Spoken-Word-Poetry ebenso wie den klassischen Soul einer Minnie Riperton.
Ripertons kristallinem Sopran kam Scott früher so nahe wie keine andere. Mittlerweile singt die 54-Jährige in einem tieferen Register, aber immer noch furchtlos durch die Genres streunend. Abenteuerlich!
6 Jack Savoretti

Mit „Europiana“ wandte er sich 2021 mediterraneren Klängen zu. Das Konzeptalbum war eine Zeitreise in eine Ära, als in den Großraumdiskotheken in Rom oder Rimini hedonistische Sommerhits für volle Dancefloors sorgten.
Der Nachfolger „Miss Italia“ ging 2024 noch einen Schritt weiter, präsentierte sich Savoretti doch mit eigenen italienischsprachigen Songs als waschechter Cantautore und stellte sich furchtlos dem Vergleich mit Italo-Pop-Legenden wie Lucio Battisti oder Fabrizio de André.