Neue Ausstrahlungs-Strategie der ARD: Der „Tatort“ kommt jetzt schon freitags in die Mediathek

Wer den „Tatort“ oder den „Polizeiruf 110“ am Sonntag um 20:15 Uhr zu seiner festen TV-Gewohnheit erklärt hat, der kann sich auf den 13. September freuen. Dann wird Maria Furtwängler als LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm mit einem Mordfall in einer Demenzeinrichtung konfrontiert. Wer den Starttermin in die neue Krimisaison im Ersten nicht abwarten will, für den bietet die ARD jetzt ein Novum an: Künftig wird jeder neue Fall von „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“ bereits zwei Tage vor der Sonntagsausstrahlung in der ARD-Mediathek angeboten.

Die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl begründet diese Vorabpremiere im Gespräch mit dem Branchendienst DWDL damit, dass „wir anerkennen müssen, dass sich die Welt um uns weiterdreht. Jüngere Menschen haben ein anderes Nutzungsverhalten als ältere.“ Die ARD gehe diesen Schritt auch deshalb, um herauszufinden: „Erschließen wir uns neue Zielgruppen, wenn wir den Tatort vorab in die ARD-Mediathek reinstellen?“

Programmdirektorin Strobl ist „gespannt“ auf die Ergebnisse. Bislang kann das Erste die Reichweite seiner Paradekrimis durch die an die lineare Ausstrahlung anschließende Nutzungs-Möglichkeit in der Mediathek um zehn Prozent steigern. Sicherlich hofft Christine Strobl darauf, diesen Wert durch die Freitag-Premiere zu erhöhen, gleichwohl muss sie befürchten, dass der Primetime-Termin am Sonntag an Attraktivität verliert. Klar ist ja, dass die Vorab-Premiere durch die Medien, vor allem durch die sozialen Medien gehen wird. Guter Krimi, schlechter Krimi? – die Diskussion darüber wird nun nicht mehr gebündelt am Sonntag starten. Strobl sagt dazu, man sei auch bereit, „einen eingeschlagenen Weg wieder zu verändern, wenn ein anderer besser ist.“

Nur registrierte Nutzer können den „Tatort“ schauen

Die ARD verbindet den Freitags-Termin mit einer Zusatzanforderung an das Publikum: Nur wer sich als Nutzerin und Nutzer der Mediathek registrieren lässt, kommt in den Genuss des Vorab-Streamens, das hier wie bei allen anderen Sendungen kostenfrei bleibt.

Für die ARD verbindet sich mit jedem Login die Chance, den Registrierten Empfehlungen für jene Sendungen zu geben, die die Krimi-Freunde auch interessieren könnten. Der registrierte Nutzer wiederum kann seinerseits Merklisten anlegen.

Der Mediatheken-Bonus kommt übrigens auch bei der fünften und letzten Staffel der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ zum Tragen. Weil die ARD nach dem Ausstieg von Sky nach der vierten Staffel die finalen Episoden alleine finanziert und produziert hat, muss sie bei der Ausstrahlung auf keinen Partner mehr Rücksicht nehmen. Die ersten vier Staffeln liefen ja zuerst bei Sky und erst dann bei der ARD. Anders bei Staffel fünf. Die acht finalen Folgen können in der Mediathek ab 10. September geschaut werden und damit deutlich vor der linearen Ausstrahlung. Im Ersten laufen die ersten vier Episoden am 19. September um 20:15 Uhr, die restlichen vier folgen am 25. September ab 22 Uhr.