Kinostarts der Woche: „Steckerlfischfiasko“– was kann der neue Eberhofer-Krimi?
Wenn in Niederkaltenkirchen mal wieder der Hut brennt, rückt das gewöhnungsbedürftige Ermittler-Duo Eberhofer-Birkenberger (Sebastian Bezzel und Simon Schwarz) an, um den Tag zu retten.
Mit „Steckerlfischfiasko“ geht die beliebte Eberhofer-Reihe in die zehnte Runde – ob sich der Kinobesuch lohnt, lesen Sie hier.
1 Sunny Dancer
Wenn nichts mehr geht, drehen Ivys Eltern den Diskohit „I Don’t Feel Like Dancin’“ von den Scissor Sisters auf. Die Abmachung ist, dass dann alle in die Familienchoreo einsteigen müssen, egal, wie es ihnen gerade geht.
Ivy hat mit 17 drei Jahre Leukämietherapie hinter sich. Seit zehn Monaten sind zwar keine Krebszellen nachweisbar, eine vollständige Heilung bedeutet das aber nicht automatisch.
Das „alte Leben“, das sie sich herbeisehnt, gibt es nicht mehr. Sie hat sich zum Teenager entwickelt, als der Krebs alle Aufmerksamkeit und Lebenskraft beanspruchte.
Ivy fühlt sich einsam und verzweifelt. Also eigentlich so, wie viele „normale“ Teenager. Ihre Eltern, gespielt von Jessica Gunning („Rentierbaby“) und James Norton („Little Women“), stehen hilflos daneben.
Das letzte Mittel: ein „Chemo-Camp“, wie Ivy es abfällig nennt. Auf dem Weg ins Feriencamp für junge Krebspatient:innen läuft nun eben „I Don’t Feel Like Dancin’“. Es ist wunderbar, Bella Ramsey („Game of Thrones“, „The Last of Us“) als Ivy in dieser Szene dabei zuzusehen, wie Zorn, Sturheit, Lebenshunger, Kindlichkeit und Altklugheit aneinandergeraten und schließlich zusammen tanzen.
Regisseur George Jacques hatte mit „Sunny Dancer“ ein Update von Ensemble-Filmen der 80er- und 90er-Jahre wie „The Breakfast Club“ im Sinn. Ivy und ihre Clique im Camp durchleben vier Wochen Spaß, mit erster Liebe und erstem Sex.
Vom Ton und Witz her ist die Geschichte gut erzählt, letzten Endes aber auch konventionell. Vollständig entwickelt wird nur Ivys Charakter. Und so passiert, was nicht passieren darf: Ivys (Kranken)Geschichte steht pauschal für die ihrer Freund:innen.
Ein ganz normaler „Feel-good-Movie“ – trotz Krebs – mag George Jacques’ Ziel gewesen sein. Ganz so mitreißend wie „I Don’t Feel Like Dancin’“ ist er nicht geworden. (Ingolf Patz)
2 Funeral Casino Blues
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Nach dem Tod ihrer Mutter (Hildegard Schmahl) muss Ursula nicht nur ein verlassenes Haus voller Krempel und Vorräte auflösen, sondern wird auch von Erinnerungsschüben an das mal toxische, mal zärtliche Verhältnis geschüttelt.
Als Leiterin eines Uni-Fachbereichs muss sie zeitgleich eine neue Assistentin (Carl Juri) einarbeiten, deren forsches, unerschrockenes Naturell Ursula zutiefst wesensfremd ist. Die klandestine Untersuchung einer im Unikeller versteckten Moorleiche bringt die beiden Frauen einander näher.
Das autobiografisch gefärbte Drama von Jutta Brückner, Altmeisterin des feministischen Kinos in Deutschland, umkreist mit großer Einfühlsamkeit und reicher Stilpalette Ursachen und Auswirkungen eines transgenerationellen Familientraumas.
Corinna Harfouch brilliert mit ausdrucksstarkem, differenziertem Spiel, die Szenen mit Hildegard Schmahl sind von beklemmender Intensität.
Geschwächt wird der atmosphärisch dichte Film durch überzeichnete Nebenfiguren (die Studierenden, ächz!), unnötige Schludrigkeiten und das Overacting der Schweizerin Carla Juri, die wie ein Fremdkörper wirkt – was womöglich dramaturgische Gründe haben könnte. (Jörg Wunder)
4 Noga
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Eberhofer und Birkenberger. Namen, die elektrisieren. Zumindest die Fangemeinde von Ed Herzogs Verfilmungen der Heimatkrimis von Rita Falk, die im fiktiven Niederkaltenkirchen spielen.
Dort wird Dorfsheriff Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) zu einem Kirmes-Streit zwischen den Familien zweier verfeindeter Fischbudenbesitzer gerufen. Kurz darauf liegt das Oberhaupt der einen, der „Steckerlfischkönig“ (Christian Tramitz), tot im Golfklub.
Privatermittler Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) taucht auf und mischt sich – wie in den neun Komödien zuvor – in Eberhofers Ermittlungen ein. Schade nur, dass die liebgewonnenen Figuren aus dem überkandidelten Dorfdeppen-Kosmos ausgesprochen müde agieren.
Gags und Timing hängen. Und das Happy End zwischenmenschlicher Dramen, wie Eberhofers Annäherung an das Hobby seines Hochdeutsch sprechenden und Ballett tanzenden Sohnes, ist vorhersehbar.
Zur wenig zündenden Story kommt die Endzeit-Melancholie, die die klappriger werdende Oma (Enzi Fuchs) ins „Steckerlfischfiasko“ bringt. In Niederkaltenkirchen war’s schon mal lustiger. (Gunda Bartels)
6 The End Of Oak Street
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