Fifa-Verbände stellen sich gegen Infantino: Enger Berater Cordeiro tritt zurück – Betriebsdirektor spricht von Einschüchterung

Ein weiterer hochrangiger FIFA-Mitarbeiter hat wegen der Investorenpläne schwere Vorwürfe gegen Gianni Infantino erhoben, den Präsidenten des Fußball-Weltverbandes. Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, hieß es in einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt.
Zuvor war Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, aus Protest gegen das Vorhaben zurückgetreten. Er hatte dies ebenfalls mit scharfer Kritik verbunden. Auch er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein.
„Es ist das Projekt einer Person“, schrieb Lamour und forderte indirekt Konsequenzen. „Nicht nur darf dieses Projekt nicht weitergehen. Aber die Zeit ist nun gekommen, dass sich die politischen Entscheidungsträger im Fußball die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen.“
Lamour erklärte zwar nicht den Rücktritt von seinem Amt, das er seit dem 1. November 2024 ausübt, und begründete dies mit der Verpflichtung gegenüber seinen Kollegen. Der Franzose, der auch Schweizer Staatsbürger ist, stellte aber klar: „Falls das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es so. Ich werde diese Entscheidung verstehen und respektieren. Zumindest werde ich nachts ruhig schlafen.“
Die Mehrheit der Mitgliedsverbände des Fußball-Weltverbandes Fifa hatte sich gegen die umstrittenen Investoren-Pläne von Infantino ausgesprochen. Cordeiro zog daraufhin am Freitag die Reißleine. Er vertrat den Fußball-Weltverband zuletzt in der Taskforce des Weißen Hauses zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
In seiner Stellungnahme schrieb Cordeiro: „Als leitender Berater des Fifa-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht.“ Der ehemalige Präsident des US-Verbandes arbeitet seit 2021 für die Fifa. Er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein und diese entschieden abzulehnen.
Es ist ein schlechtes Geschäft für die Fifa-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.
Carlos Cordeiro, Ex-Präsident des US-Fußballverbandes
„Es ist ein schlechtes Geschäft für die Fifa-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports“, schrieb Cordeiro. Laut AP war der Funktionär in den vergangenen Wochen mehrfach zu Arbeitsbesuchen im Weißen Haus. Als früherem Partner der Investmentbank Goldman Sachs wird Cordeiro große Erfahrung mit Investitionsgeschäften nachgesagt.
Mehrheit der Verbände gegen Infantino-Plan
Nach dem europäischen Verband (Uefa) und dem Verband aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (Concacaf) stellte sich am Freitag auch der asiatische Verband (AFC) gegen die Pläne. Da die drei Verbände 136 der 211 nationalen Mitglieder unter sich vereinigen, ist eine deutliche Mehrheit dagegen.
Der asiatische Regionalverband AFC erklärte am Freitag, Infantinos Vorstoß habe nach seiner Ansicht keine Chance mehr. „Im Lichte der klaren Positionen von Uefa und Concacaf und der beispiellosen Spaltung der Fußball-Welt glaubt die AFC, dass die FFE realistisch nicht mehr mit dem breiten Konsens rechnen kann, der notwendig wäre“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbandes.
Die Fifa hatte angekündigt, mit einem neu zu gründenden Tochterunternehmen namens Fifa Forward Enterprise (FFE) rund 20 Prozent der Anteile an den kommerziellen Rechten bei Turnieren wie Weltmeisterschaften an Investoren verkaufen zu wollen.
Allein in diesem Jahr hätte das 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) in die Kassen spülen sollen. Infantino hatte allen 221 Fifa-Mitgliedern eine Einmalzahlung in Höhe von 20 Millionen Dollar (umgerechnet 17 Millionen Euro) und weitere Fördermittel in Aussicht gestellt – allerdings nur, wenn die Verbände seine Pläne absegnen.
Die Fifa war vor dem Statement des asiatischen Verbandes trotz der heftigen Kritik vorerst nicht von ihrem Vorstoß abgerückt. In einer Mitteilung des Weltverbands heißt es, man wolle mit den Plänen sicherstellen, „dass alle Fifa-Mitgliedsverbände die Möglichkeit haben, sich bedeutungsvoll an den kommerziellen Möglichkeiten des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern zu beteiligen“.
In der Mitteilung heißt es außerdem, man nehme das in der Öffentlichkeit geäußerte Feedback und die Bedenken zur Kenntnis und respektiere diese. Auch bekräftige man das Bekenntnis zu einem „offenen und demokratischen Konsultationsprozess“, allerdings hätte eine „falsche Berichterstattung in den Medien“ diesen Prozess gestört.