Justiz: Prozess um Wilke-Wurst-Skandal beginnt

Gut sechseinhalb Jahre nach dem Skandal um listerienverseuchte Fleischwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren im nordhessischen Twistetal beginnt am Montag (9.30 Uhr) in Kassel der Prozess. Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in elf Fällen sind zwei 57 und 58 Jahre alte Männer und eine 55-jährige Frau angeklagt. Bei ihnen handelt es sich um den ehemaligen Geschäftsführer der Fabrik, seine Stellvertreterin sowie den damaligen Produktionsleiter.

Elf Todesfälle sollen mit Produkten in Verbindung stehen

Die Firma im Landkreis Waldeck-Frankenberg war im Oktober 2019 geschlossen worden, nachdem in ihrer Wurst Listerien-Keime nachgewiesen worden waren. In dem Betrieb sollen desolate hygienische Bedingungen geherrscht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, dafür verantwortlich zu sein, dass mit Listerien kontaminierte Wurstwaren in den Handel gebracht wurden und Dutzende Menschen an Listeriose erkrankten.

Gesundheitsbehörden meldeten danach insgesamt 37 Krankheitsfälle, die mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht wurden. Bei elf Menschen soll die Listeriose zumindest mitursächlich für deren Tod gewesen sein. Die Keime können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Sieben Menschen sollen erhebliche Krankheitssymptome entwickelt haben.

Staatsanwaltschaft: Gesundheitsschäden in Kauf genommen

Die Todesopfer im Alter zwischen 47 und 86 Jahren stammten laut Staatsanwaltschaft aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Berlin und dem Saarland. Viele der Verstorbenen hatten sich zuvor in Pflegeeinrichtungen oder Kliniken aufgehalten, die von Wilke beliefert wurden.

Die Staatsanwaltschaft legt den drei Beschuldigten zur Last “Kenntnis über die schlechten hygienischen Produktionsbedingungen und den regelwidrigen Umgang mit überlagerter und verdorbener Ware” gehabt zu haben. Sie hätten die Produktion und Verarbeitung der Ware dennoch fortgesetzt und Gesundheitsschäden von Konsumenten billigend in Kauf genommen.

Außerdem besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht, dass teilweise verdorbene Ware aufbereitet und überlagerte Ware mit einem falschen Mindesthaltbarkeitsdatum versehen und in den Handel gebracht wurde.

Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Konkret wird den Angeklagten fahrlässige Tötung in elf Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen vorgeworfen. Zudem lautet die Anklage auf Beibringung gesundheitsgefährdender Stoffe in vier Fällen, Betrug in 17 Fällen sowie gesundheitsgefährdendes Inverkehrbringen von Lebensmitteln in 18 Fällen. Der damalige Geschäftsführer und seine Stellvertreterin müssen sich außerdem wegen vierfacher versuchter Körperverletzung durch Unterlassen verantworten.

Insgesamt 15 Verhandlungstage sind derzeit am Landgericht Kassel vor der 2. (Wirtschafts-)Strafkammer angesetzt. Mit einem Urteil wäre dann am 12. August zu rechnen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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