MDR verzichtet auf „Tatort“ und „Mittagsmagazin“: Weniger Osten im Deutschland-TV

Nennen wir es einen Paukenschlag. Ralf Ludwig, der Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), hat ein Sparpaket für seinen Sender präsentiert, das es in sich hat.

In seinem Aufmerksamkeitszentrum steht die Ankündigung, dass die ARD-Anstalt die Produktion von „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ für drei Jahre pausieren wird.

War schon die Einstellung des eindringlichen Hallenser „Polizeirufs“ nach den Drehbüchern von Clemens Meyer und mit Peter Kurth als krimineller Kriminaler ein herber Schlag für den quotenstarken Sonntagskrimi, so wird mit dem (nur vorübergehenden?) Ausfall der MDR-Beiträge die Paradereihe eine wesentliche Prägung verlieren: Themen, Sichtweisen und Menschen aus Deutschlands Osten.

Der Verlust wird noch größer

Und der Verlust wird noch größer. Der MDR will spätestens 2027 das „Mittagsmagazin“ im Ersten an eine andere ARD-Anstalt abgeben. Erst 2024 vom klammen Rundfunk Berlin-Brandenburg übernommen, wollte der MDR mit dem Magazin aus Leipzig mehr Ost-Thematik ins nationale ARD‑Programm bringen.

Damit soll jetzt Schluss sein. Die Begründung ist gleichlautend wie beim ARD-Krimi: Es fehlt an Geld, weil die Anhebung des Rundfunkbeitrags zum Beginn 2025 von 18,36 auf 18,94 Euro ausgeblieben ist. Die dafür verantwortlichen Ministerpräsidenten, drei davon aus den MDR-Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, verwiesen auf die Rücklagen der Sender. Das war für den Moment so richtig wie für die Zukunft nicht zielführend.

60 Cent machen viel aus

Nicht alle ARD-Anstalten und auch nicht das ZDF nagen schon am Hungertuch. Aber wahr ist zugleich, dass die kleineren und mittelgroßen Sender, zu denen der MDR zählt, nur über zu Ende gehende Reserven verfügen. Jetzt geht es ans Eingemachte.

Die vom MDR-Intendanten präsentierten Sparmaßnahmen haben eine mehrdeutige Qualität. Zunächst als Erpressungspotenzial an die Rundfunkpolitik, die dem Publikum seine telegene Lieblingsbeschäftigung am Sonntagabend raubt – es sei denn, es fließt endlich mehr Beitragsgeld in die Senderkassen.