„Strapazin“ startet Crowdfunding: Zombie-Kunst soll Comicmagazin retten

Die Zeitschrift „Strapazin“ ist eine Institution der deutschsprachigen Comicszene. Seit ihrer ersten Ausgabe 1984 hat sie sich als Forum für Avantgarde- und Independent-Comics etabliert. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler haben in dem in Zürich beheimateten Magazin in den vergangenen vier Jahrzehnten ihre Bilderzählungen veröffentlicht. Dazu kommen kenntnisreiche Texte der Redaktion zu aktuellen Neuerscheinungen, kulturellen Entwicklungen und gesellschaftlichen Themen.

Nun ist das „Strapazin“ in seiner Existenz gefährdet – und eine Spenden-Aktion soll es retten. „Wir stecken in einer finanziellen Krise“, schreibt das Herausgeber-Team auf seiner Crowdfunding-Seite. „Wir haben bereits Maßnahmen ergriffen, doch wir brauchen Hilfe.“

Bilder, die aktuell für eine Crowdfunding-Kampagne des Comic-Magazins Strapazin benutzt werden
Strapazin
Das aktuelle „Strapazin“-Cover zum Thema „Apokalypse“ wurde von Nando von Arb gestaltet.

© Strapazin

Die aktuelle Notlage sei vor allem darauf zurückzuführen, dass es wie bei allen Printmedien immer weniger bezahlte Anzeigen gebe – die sind neben dem Verkaufspreis eine der Säulen zur Finanzierung der Zeitschrift. Außerdem seien die Produktions- und Distributionskosten gestiegen: „Papier und Druck sind teurer geworden.“ Dazu komme, dass die angestrebte Steigerung der Abonnement-Zahlen viel Zeit und Ressourcen beanspruche.

Comic Israel Gaza
In den vergangenen Jahren hat „Strapazin“ immer wieder Schwerpunktausgaben zu aktuellen politischen und sozialen Themen veröffentlicht, darunter auch zur Lage im Nahen Osten.

© Strapazin

„Sollte Strapazin dichtmachen, würde die internationale Comic-Welt und insbesondere die deutschsprachige Comicszene ein äußerst wichtiges Organ verlieren“, heißt es weiter. „Ebenso würden 42 Jahre deutsche und schweizerische Comic-Geschichte enden, und viel Know-how und dichte Netzwerke verloren gehen.“

Bilder, die aktuell für eine Crowdfunding-Kampagne des Comic-Magazins Strapazin benutzt werden
Strapazin
Mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler haben Originale beigesteuert, die für die Rettung der Zeitschrift „Strapazin“ gekauft werden können. Hier ein Bild von Daniel Bosshart.

© Strapazin

Für viele Comic-Fans wäre ein Ende des Magazins tatsächlich ein großer Verlust. Keine andere deutschsprachige Zeitschrift hat anspruchsvollen und experimentellen Comics aus aller Welt so viel Raum gegeben wie das „Strapazin“. Hier konnte man über die Jahre viele Künstlerinnen und Künstler entdecken, deren Werke hierzulande ansonsten unbekannt geblieben wären oder erst viel später durch Buchveröffentlichungen einem größeren Publikum zugänglich wurden.

Um dem „Strapazin“ eine Zukunft zu geben, hat die Redaktion angestrebt, bei ihrem Crowdfunding gut 70.000 Euro an Unterstützung zu sammeln. Genau 66.666  Schweizer Franken lautet das Spendenziel. Eine Anspielung auf die christliche Zahl des Bösen, die spielerisch das Untoten-Thema reflektiert, das die Redaktion der Rettungsaktion gegeben hat: „Strapazin ist wie ein Zombie – totgesagt, aber nicht totzukriegen“, heißt es in dem Aufruf.

Bilder, die aktuell für eine Crowdfunding-Kampagne des Comic-Magazins Strapazin benutzt werden
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Anna Haifisch hat dieses Bild für das „Strapazin“-Crowdfunding beigesteuert.

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Um das Magazin zu retten, haben mehr als 100 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt je einen eigenen Strapazin-Zombie gezeichnet – „lauter Unikate, die du hier als Belohnung für deine Unterstützung erhalten kannst“, wie es auf der Website heißt.

Wer das Magazin mit einem finanziellen Beitrag unterstützt, kann mit Beiträgen ab 100 Franken (umgerechnet gut 110 Euro) Kunstwerke unter anderem von Anna Haifisch, Lika Nüssli, Anna Sommer oder Nando von Arb ersteigern. Sommer wurde 2024 beim Comic-Salon Erlangen als beste deutschsprachige Comic-Künstlerin ausgezeichnet, von Arb bekam im selben Jahr den Max-und-Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Comic.