Die Klassik-Tipps der Woche für Berlin: Barrie Kosky inszeniert die Oper, die Stalin schockte
Josef Stalin dürfte sich in dieser Berliner Klassik-Woche im Grabe umdrehen. Gleich zwei Werke, die sein Regime einst verboten hatte, stehen auf dem Programm.
In seiner 1934 uraufgeführten Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ sprach Dmitrij Schostakowitsch Tabu-Themen wie Mord, Sex, Folter und Vergewaltigung an. Dazu kommt eine unerhörte Musik. Der Komponist soll immer wieder ängstlich in Stalins Loge geschaut haben. Nach einer vernichtenden Kritik in der Prawda wurde das Werk verboten und Schostakowitsch schlief auf gepackten Koffern. Barrie Kosky inszeniert an „seiner“ Komischen Oper.
Ähnlich erging es 1947 Sergei Prokofjew mit seiner düsteren 6. Sinfonie. Das RSB spielt unter Vladimir Jurowski.
Pianist Ivo Pogorelich gilt als ebenso genial wie eigenwillig. Er kommt zu einem Beethoven-Rezital in die Philharmonie. Außerdem: Kammermusik mit Daniel Hope und Charlotte Spruit. Unsere Klassik-Tipps der Woche.
1 Das RSB spielt Prokofjews 6. Sinfonie

© kaupo kikkas
Um erstmals das Leonkoro Quartet in neuer Besetzung zu erleben, bleibt nur, auf Restkarten zu hoffen. Das reichhaltige Kammermusikprogramm des Boulez-Saals hat aber noch mehr zu bieten. Wir legen Ihnen das Programm „Nachklänge“ der Violinistin Charlotte Spruit und des Pianisten Angus Webster am selben Ort ans Herz.
Es kreist um die Themen Erinnerung und Vergänglichkeit, aber auch um Erneuerung. Spruit und Webster spielen Werke aus vier Jahrhunderten: von John Dowlands „Flow, My Teares“ über Brahms 1. Violinsonate, Debussys letztem Werk, die Sonate für Violine und Klavier g-moll, bis Thomas Adès „Märchentänzen“.
3 Lady Macbeth von Mzensk

© Lucy Szulinska
Das wallende, wilde Haar ist längst einem praktischen, inzwischen ergrauten Kurzhaarschnitt gewichen. Um Ivo Pogorelich ist es merklich ruhiger geworden. Heute sind es vor allem seine noch immer eigenwilligen Interpretationen, die wahlweise für Begeisterung oder Unverständnis sorgen.
Schon zu Beginn seiner Karriere polarisierte der kroatische Pianist. Legendär ist der Skandal, als der damals 22-Jährige beim Chopin-Wettbewerb 1980 nicht ins Finale kam und Jury-Mitglied Martha Argerich aus Protest zurücktrat und ihn als „Genie“ bezeichnete. Pogorelich wurde zum Superstar in der Klassik-Welt, landete auf Magazin-Covern. Sie hätten ihn damals mit Mick Jagger verglichen, sagte er vor einigen Jahren mit Unverständnis. Und die Genies seien die Komponisten, denen er nur diene.

© Daniel Waldhecker
Mit seinen charmanten Live-Streamings „Hope@Home“ während der Pandemie brachte der südafrikanisch-britische Geiger Daniel Hope vielen Menschen Trost und Zerstreuung. Er sendete damals aus seinem Berliner Wohnzimmer. Hopes Wurzeln liegen auch in unserer Stadt. Die Großeltern, die vor den Nazis fliehen mussten, kamen aus Berlin.
Mit dem Zürcher Kammerorchester spielt er als musikalischer Leiter und Solist Werke von Mozart und Zeitgenossen. Da ist Glucks Tanz der Furien (aus: Orpheus und Eurydike, Wq. 41) sowie das Konzert für Violine und Orchester A-Dur des Geigers und Komponisten Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges. Er wurde als Sohn eines französischen Adligen und einer Sklavin auf Guadeloupe geboren. Joseph Bologne galt nicht nur als virtuoser Musiker und großartiger Fechter, er setzte sich auch vehement für die Abschaffung der Sklaverei ein.
Von Wolfgang Amadeus Mozart sind die Sinfonie D-Dur KV 196+121 (207a) sowie das Violinkonzert B-Dur KV 207 zu hören.
6 You/Me/Alien – A Space Opera